Hattingen. Einen regelmäßigen Stammtisch der Piratenpartei gibt es in Hattingen seit dem Frühjahr. Jetzt gibt es auch einen offiziellen Arbeitskreis „AK Kommunalpolitik Hattingen- Sprockhövel NRW“ mit neun Mitgliedern. Der gewählte Koordinator – in anderen Parteien würde er Ortsvereinsvorsitzender heißen – ist Stefan Bogumil. Bogumil ist 38 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Hunde. Er arbeitet als Kundenberater.
Herr Bogumil, warum haben Sie einen Arbeitskreis für Hattingen und Sprockhövel gegründet?
Beim Stammtisch kristallisierte sich heraus, dass wir Bedarf haben hier in Hattingen etwas zu machen. Wir denken, dass die Kommunalpolitik der entscheidende Schlüssel sein könnte, um die Piraten nach vorn zu bringen und um den Bürgern zu helfen.
Wie viele Piraten gibt es in Hattingen?
In Hattingen gibt es etwa 20 aktive Piraten (Anm.d.Red.: gemeint sind Parteimitglieder). Zum Stammtisch kommen aber auch interessierte Bürger, die ein oder zwei Mal hereinkommen. Wenn man Ideen hat, kann man die auch einbringen, ohne Parteimitglied zu sein. Man hat dann nur kein Stimmrecht.
Mit welchen Hattinger Themen beschäftigen Sie sich konkret?
Wenn ich ganz ehrlich bin, so viele Themen gibt es noch nicht. Eines ist auf jeden Fall das Altstadtfest und andere kulturelle Veranstaltungen – früher gab es hier wunderschöne Mittelaltermärkte. Prinzipiell sollte das Altstadtfest für die Hattinger sein. Und es sollte nicht so zerfasert sein wie beim letzten Mal. Es hat keinen Flair mehr. Ein Punkt ist auch, dass der Westfälische Hof seinen Parkplatz aus sicherheitstechnischen Gründen während des Festes komplett schließen musste. Das ist aber der einzige barrierefreie Zugang zum Hotel. Da muss etwas getan werden. Das ist auf jeden Fall ein bürgerinteressantes Thema.
Und was gibt es sonst für „piratige“ Themen?
Es gibt viele Themen, aber ich kann nicht für jedes mein Holzbein umschnallen und die Augenklappe auspacken. Im Ernst: Es gibt keine piratigen Themen, nur Themen, die den Bürger betreffen. Wir sind froh, dass wir jetzt in der Lage sind, uns inhaltlich mit Themen zu befassen und nicht mehr nur mit organisatorischen Dingen. Bald wird es auch eine Hattingen-Sprockhövel-Piraten-Homepage geben, über die die Leute uns direkt ansprechen können.
Wer kommt zum Stammtisch?
Leute aus allen Gesellschaftsschichten: Handwerker, Banker und viele ITler. Das Durchschnittsalter liegt bei 34-35. Der älteste Besucher war 64, die jüngste 24.
Es gibt also auch Frauen?
Nein. Eigentlich nicht, leider. Das ist ein Problem der Piraten allgemein. Es ist auch schwierig, wenn da eine Runde von Männern sitzt, auf Frauenthemen zu kommen. Bei den Stammtischen kommt hin und wieder mal eine Frau vorbei, meist aber welche, die kurz davor waren aus Hattingen wegzuziehen.
Wie sind Sie persönlich zu den Piraten gekommen?
Parteimitglied bin ich erst seit April 2012, aber ich habe mich auch vorher schon mit den Piraten befasst, aber da fehlte mir zunächst die kommunale Schnittstelle.
Waren Sie vorher in einer anderen Partei?
Nein. Da war mir zu viel Hierarchie. Bei den Piraten wird wenigstens diskutiert.
Was sagen Sie dazu, dass es Piraten gibt, die früher Mitglieder rechtsextremer Parteien waren?
Ich persönlich kenne keine Piraten mit rechtsextremer Vergangenheit, aber man kann ja auch geläutert sein. Die Piraten sind auf jeden Fall nicht rechts. Eigentlich lassen wir uns nicht gern in das alte Parteienschema einordnen, aber wenn, dann sind wir sozial-liberal.
Warum sollte man die Piraten wählen?
Es gibt ganz viele Leute, gerade in Hattingen, die politikverdrossen sind und deshalb auch als Nicht-Wähler unterwegs sind. Nicht wählen geht eigentlich gar nicht, weil ich dann sehenden Auges ins Messer laufe. Wir wollen den Bürgern, die sich nicht in den etablierten Parteien wiederfinden, die Möglichkeit geben andere Wege zu gehen.
Noch eine Frage zum Schluss: Was macht Stefan Bogumil privat?
Ich bin sehr internetaffin – und ich bin schon ein kleiner Nerd. Aber ich lese auch viel. Im Moment Perry Rhodan – als E-Book. Ansonsten mag ich: Rollenspiel und viel Musik, Rockabilly zum Beispiel.