Blindem Autor hilft viel Technik

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  • Auto stellt im August vor, wie er arbeitet
  • Computerstimmen helfen bei ihm
  • „Im Testprogramm des Schicksals“ heißt seine Autobiographie

Hattingen.  „Ich bin ein blinder Autor aus Hattingen, 59 Jahre alt“, säuselt die Stimme. „Weiß ich doch“, könnte ich jetzt denken. Das stand ja im Schreiben an die Redaktion. Das Spannende: Die Stimme vermittelt einen Eindruck davon, wie sich ein Autor ohne Sehvermögen auch ohne Blindenschrift am Computer zurechtfindet in der Welt der Wörter. Wie Dieter Kleffner sicherstellt, dass das Schreiben nicht vor Fehlern wimmelt. Oder seine Bücher. Wie „Schlaflose Kissen und schlechte Gewissen“ für Krimiliebhaber.

Sprecherinnen und Sprecher aus dem Computer mit unterschiedlichen Stimmen erzählen, was sonst gelesen werden müsste. Die Technik macht es möglich. Zum Vergleich spult der geborene Essener, der schon als Kind sehbehindert war, ein Uraltprogramm ab. Selbst die Stimmen auf Navigationsgeräten sind dagegen Super-Vorleser. Wie er arbeitet, wird der Autor aus Niederwenigern im August beim Lesemarathon im Modela vorstellen. „Beim Gedanken daran geht mir die Düse“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Die Aufregung wird sich legen. Der ehemalige Masseur und Physiotherapeut, der mit Computern beruflich nichts zu tun hatte, hat sich ja auch in dieses Metier mit viel Geduld reingefuchst und sich alles selbst beigebracht. Gerade sagt ihm sein Taschenrechner, „fünf mal sechs ergibt 30“. Wenn er wissen will, ob sich Stones-Musik auf der CD verbirgt oder Zucker in der Küche, dann flüstert ihm das ein Etikettenleser. Die Technik erleichtert ihm das Schreiben. Und das Zurechtfinden im Alltag.

Wer sich in seine Werke einlesen möchte: „Im Testprogramm des Schicksals” heißt seine Autobiografie. Drei Jahre später folgte 2015 ein Gesellschaftsroman mit dem Titel „Ein Tag für Blinde, Lahme und Verrückte”. Auch Gedichte hat Kleffner, der schon als Kind gern geschrieben hat, verfasst. Eines mit dem Titel „Blind“ endet so: „Fehlt mir optisch heut‘ der Sinn, so ist das nicht das Ende. Talente stecken in mir drin, drum spuck ich in die Hände. Dem Ohr reich‘ ich Gitarrensaiten, den Fingern Tastaturen, lass‘ mich vertrauensvoll begleiten auf fremden Wegen, neuen Spuren.“

Worauf er sich nicht einlässt, ist Bus- und Bahnfahren. Da lässt sich Kleffner lieber von seiner Frau fahren und steckt die Energie in neue Geschichten. Seine drei Bücher hat er selbst produziert.

Bis vor sechs Jahren hat er noch gearbeitet. „Das reicht, 36 Jahre sind genug“, sagt er rückblickend. Und widmet sich heute lieber Themen wie Behinderung und Krankheit, die er auf humorvolle Weise aufarbeitet.

 
 

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