Berufsinformation für Migranten

Eine Performance regte zum Nachdenken an bei der Informationsveranstaltung „Mein Beruf! Meine Zukunft“.Foto:Manfred Sander
Eine Performance regte zum Nachdenken an bei der Informationsveranstaltung „Mein Beruf! Meine Zukunft“.Foto:Manfred Sander
Foto: WAZ FotoPool
Landtagspräsidentin betont, dass es aus ökonomischer Sicht keine Alternative zur Ausbildung von Zuwanderungskindern gibt

Hattingen..  „Die Berufswahl gehört zu den folgenschwersten Entscheidungen, die wir im Leben treffen müssen“, begrüßt Margret Melsa, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Hattingen, am Samstagmorgen das Publikum im Rathaus.

Das Interkulturelle Zentrum Magnet hat in Kooperation mit dem Elternnetzwerk NRW und der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Hattingen die Veranstaltung organisiert, bei der Eltern und Jugendliche aus Zuwanderungsfamilien über die Möglichkeiten des deutschen Berufsbildungssystems informiert werden. Gäste aus Politik, Bildungswesen, Interkultureller Zusammenarbeit vor Ort und großen lokalen Ausbildungsunternehmen sorgen für ein volles Programm.

„Es gibt drei wesentliche Bereiche“, erklärt Landtagspräsidentin Carina Gödecke. „Zum einen müssen wir Eltern unterstützen und beraten. Des Weiteren müssen Potenziale entdeckt und Kompetenzen gefördert werden“. Das sei gerade bei Migrantenkindern von großer Bedeutung, die bewiesenermaßen im Bildungswesen benachteiligt seien. Auch den Bezug zur aktuellen Bundespolitik hebt die Landtagspräsidentin, Vorsitzende der Parlamentariergruppe NRW-Türkei, hervor: „ Die doppelte Staatsangehörigkeit ist enorm wichtig, da sie eine wichtige Identifikation ermöglicht. Eine zweifache Zugehörigkeit sehe ich als riesige Chance für Deutschland“.

Das scheinen auch auszubildende Unternehmen inzwischen erkannt zu haben: Diplom-Psychologe Uwe Machleit von der Augusta- Akademie weist darauf hin, dass gerade im Ruhrgebiet die Anzahl der Migranten besonders hoch sei. Nach der Verrentung blieben 80 Prozent der türkischen Migranten in Deutschland und bräuchten Pfleger, denen ihre Kultur bekannt sei. Das Potenzial, das mit den berufssuchenden Jugendlichen vorliegt, muss aber auch genutzt werden: „Die Berufswahl ist schon so nicht leicht. Eine Zuwanderungsgeschichte kann Schwierigkeiten noch vergrößern, indem unzureichendes Wissen über die deutsche Berufsausbildung vorliegt“, weiß Dilek Eroglu, Frauenbeauftragte der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Hattingen.

Die Besucher dürften mit diesen kein Problem mehr haben: Die Vorträge von Sabine Rausch- Klose von der Bundesagentur für Arbeit und Jörn Kleinelümern von der IHK Hattingen zeigen Aus- und Weiterbildungswege und Rahmenbedingungen auf. Sparkasse und AOK erklärten als Dienstleister, dass sie mit der Einstellung von Migranten auf Bedürfnisse ihrer Kunden reagieren. Azubis mit ausländischen Wurzeln referierten.

Die Landtagspräsidentin erklärte klar: „Auf Dauer haben wir keine andere Wahl, als auf die Ausbildung von Zuwanderungskindern zu setzen – schon allein aus ökonomischer Sicht.“

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