Begegnung mit einem Instrument

Foto: WAZ
Stefan Lakatos an der Trimba und seine Band stellten einem begeistertem Publikum im Alten RathausWerke von Moondog vor. Magisch-mystische Klänge und indianische Weisen.

Hattingen..  Stefan Lakatos an der Trimba und seine Band stellten im Alten Rathaus zusammen mit der armenischen Pianistin Mariam Tonoyan Werke des amerikanischen Musikers und Komponisten Louis Hardin (1916-1999) alias „Moondog” vor, der hauptsächlich in den Straßen von New York und im nördlichen Ruhrgebiet lebte.

Viele Besucher müssen stehen

Gespannte Erwartung herrscht im voll besetzten Alten Rathaus, viele Besucher müssen stehen – und bleiben trotzdem. Im fast schon spirituell anmutenden Sog der magisch-mystischen Klänge des Dogtrot, der zu vertrackten Rhythmen Elemente des Jazz der 40er Jahre mit indianischen Weisen verbindet, kommt die Wirkung der Trimba, des Instrumentes, das Moondog selbst erfunden hat, besonders gut zur Geltung: Das hell klingende kleine Schlagzeug aus zwei dreieckigen Hohlkörpern aus Holz und ledernen Membranen wird mit einer Maracas-Rassel und einem hölzernen Klangstab gespielt. Es ist verblüffend abwechslungsreich im Klang und ermöglicht den originellen Moondog-Sound, in dem sich formale kontrapunktische Strenge und inhaltliche Freiheit, Archaik und Avantgarde kongenial verbinden.

Der schwedische Musiker und Moondog-Schüler Stefan Lakatos, der mit Moondogs Musik erstmals als 13-Jähriger 1968 bei der Radio-Übertragung eines Frank Zappa-Konzertes in seiner schwedischen Heimat in Berührung kam, ist einer der wenigen Spieler dieses Instrumentes, das er virtuos beherrscht. Mit den Saxophonisten und Klarinettisten Andreas Lensing, Jürgen Bebenroth, Dietmar Schmahl und Olivia Alam bringt er den Moondog-Sound auch in dem melodiösen „You Who“ zum Ausdruck. Minimalistische Kontrapunktik prägt die selten aufgeführte „Tout Suite“ Nr. 6, ein spätes Werk Moondogs: Über dem durchlaufenden Trimba-Beat entfalten sich repetitiv in sich kreisende und sich dabei fugenartig ablösende Melodiefragmente in Mollharmonik, die an indianische Weisen erinnern.

Lakatos gewidmet ist das lautmalerische „Thor und die Midgardh­schlange“, das Themen der nordischen Mythologie aufgreift. In den Klavierstücken „Caribbean“ und „Carnival“ brilliert Mariam Tonoyans abwechslungsreiches und doch so ausdrucksvolles Spiel mit schnell blitzenden Motiven voller rhythmischer Varianten über der perkussiv durchlaufenden Trimba von Stefan Lakatos. Ein tönend bewegtes Klangpanorama zeichnet „Seeds of Immortality“, Flügelschläge klingen aus dem Trimbasound der Charlie Parker gewidmeten „Birds“. Mit „Bumbo“, „Paris“ und „Golden Fleece“ klingt der Abend aus.

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