Baumverkauf ist Familiensache

Es grünt so grün in Lennart Nüfers Schonungen in der Elfringhauser Schweiz, hier eine Plantage mit Nordmanntannen am Wasserturm.
Es grünt so grün in Lennart Nüfers Schonungen in der Elfringhauser Schweiz, hier eine Plantage mit Nordmanntannen am Wasserturm.
Foto: WAZ FotoPool
Auf dem Hof und in der Tannenbaum-Schonung von Lennart Nüfer in Oberstüter helfen jetzt auch Eltern, Schwager und Neffen. Denn an den letzten Advents-Wochenenden kommt „das halbe Ruhrgebiet“ in die Elfringhauser Schweiz – auf der Suche nach gut gewachsenen Nordmännern.

Hattingen..  Heute und morgen dürften es noch entspannte Tage sein in der Zehn-Hektar-Schonung des Hofes Nüfer, im Naherholungsgebiet der Elfringhauser Schweiz. „Mein Vater hatte gestern zwölf Kunden in der Schonung“, erzählt Lennart Nüfer. „Das war schön entspannt – aber am Wochenende ist das halbe Ruhrgebiet hier.“ Sogar etliche Wagen mit münsterländischen Kennzeichen parkten vor dem Hof In der Porbecke in Oberstüter.

Tipp: Bloß nicht auf Beton lagern

Ein entschlossener „Selber-Säger“ ist längst nicht jeder – außerdem ist es bereits um 16 Uhr zu dunkel in der Schonung, um sich dort zwischen Nordmanntanne und Nobilis, Fichte und Blautanne zu entscheiden. Mit Kulturen und den bereits Geschlagenen im Hof schätzt der 36-jährige Land- und Forstwirt seinen Weihnachtsbaum-Bestand auf „drei- bis fünftausend“. 70 Prozent davon seien „Nordmänner“. Die ursprünglich skandinavischen Tannen schätzen die Kunden halt, weil sie wenig nadeln. Dafür duftet die Blautanne (die eigentlich eine Fichte ist) schön weihnachtlich.

Und Nobilis, die dem Namen nach „edle“ Sorte? „Haben wir gut verkauft“, sagt Lennart Nüfer – und nennt die Vorzüge der Schönen: Auch sie riecht stärker nach Nadelbaum, die Nadeln selbst sind blaugrau „und sie wächst terrassiger, schön locker“.

Der Familienbetrieb in der Porbecke verkauft auch Topfbäume. Lennart Nüfer betont aber: „Das sind reine Dekobäume – wir verkaufen sie nicht als Gartenpflanzen.“ Aufwendig umsorgte und zugeschnittene Baumschul-Pflanzen im Top wären nämlich auch deutlich teurer, sagt der staatlich geprüfte Techniker für Gartenbau. „Sie können Glück haben“ – und der Weihnachtsbaum im Topf gedeiht nach dem Fest auch im Garten prächtig. Lennart Nüfer weiß aber: „Nordmänner kriegt man schwerer ans Wachsen.“

Wer jetzt einen frisch geschlagenen „Tannen“-Baum kauft, sollte ihn bis zum Fest auch richtig lagern. „Bloß nicht in Keller oder Garage“, warnt der Land- und Forstwirt. „Die Räume sind viel zu trocken.“ Der Betonboden sauge förmlich die Feuchtigkeit aus dem Stamm. Gartenbesitzer sollten ihren Weihnachtsbaum hochkant an einen Baumstamm lehnen – „dann hat er auch Schatten“. Der Balkon ist die zweitbeste Lösung.

Erfahrungsgemäß mit dem dritten Advent „kommt der Druck“, wie Lennart Nüfer sagt. „Dann bin ich froh über meine große und hilfsbereite Familie.“ 30 Hände helfen am Wochenende auf dem Hof, einschließlich der drei Neffen im Schüleralter. Denn auf den knapp 48 Hektar – davon 25 Hektar Buchen- und Eichenwald – bedeuten Nordmänner und Nobili nicht einfach nur nette Zugewinne. „Wenn wir die Weihnachtsbäume nicht hätten“, sagt Lennart Nüfer, „dann gäb’s diesen Betrieb nicht mehr.“

Mit 23 Jahren hatte er im Jahr 2000 die Verantwortung für den Hof, seit 1867 im Familienbesitz, übernommen. Damals war sein heute 67-jähriger Vater Günter bei Arbeiten im Wald verunglückt und hatte sich schwer verletzt. Auch die Sorge um die Tannentrieblaus oder späte Fröste, die noch im Mai die Triebe ruinieren können, gehören zur anderen Seite der Arbeit im Idyll der Elfringhauser Schweiz.

 
 

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