Barbie Girls Unterwäsche

Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
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Chatten im Internet, Raubüberfall, Alkohol – Autorin Annette Weber will das Leseinteresse von Schülern wecken.

Hattingen..  Viele Mädchen und Jungen finden es langweilig zu lesen, deshalb hat sich Autorin Annette Weber (55) etwas einfallen lassen. Sie ist Mutter von drei Söhnen und musste sie sozusagen erpressen: „Ich hol’ euch heute Abend nur von der Fete ab, wenn ihr mein Buch lest.“ Wie das ausging? Ihre Söhne lasen – und halfen ihr, Bücher so zu schreiben, dass sie auch Jugendliche ansprechen, die von alleine nicht gerne zum Buch greifen.

Zu langweilig, zu anstrengend, zu zeitaufwendig, begründen Lesefaule. „Daher ist es wichtig, dass das Buch dünn und die Schrift groß ist, es viele Absätze und wörtliche Rede gibt und die Themen für Jugendliche spannend sind. Dann schaffen sie es, das Buch ganz zu Ende zu lesen“, meint Annette Weber.

Schüler der 7. und 8. Klasse der Hauptschule und der Förderschule haben bereits mehrere Bücher von Annette Weber im Unterricht besprochen. Jetzt treffen sie persönlich auf die Autorin – im Rahmen der 7. Kinder- und Jugendbuchwoche der Stadtbibliothek im Reschop Carré. Still und aufmerksam lauschen sie ihren Worten. „Im Chat war er noch süß“ heißt ein Buch. Gefahren im Internet sind ein aktuelles Thema. Die Autorin hat für die Recherche unter dem kindlichen Namen „Barbie Girl“ mit Fremden im Internet gechattet. „Es fing meist harmlos an, irgendwann kamen dann aber Fragen wie: Welche Unterwäsche trägst du? Möchtest du ein Video von mir sehen?“

In ihrer Geschichte fällt das Mädchen Sarah auf einen Mann herein, der sich im Chat Sven König nennt. Die Autorin zeigt den Schülern ein Heft mit aufgeklebten Fotos von Menschen aus Zeitungen. „Sie sehen so aus, wie ich mir meine Figuren im Buch vorstelle“, erklärt sie ihnen. Daneben hat sie Charaktereigenschaften der Figuren geschrieben. Dann beginnt sie zu lesen.

Das Mädchen Sarah versteckt sich im Gebüsch und beobachtet, wie der Kinderschänder Sven König, vor dem sie zuvor flüchten konnte, jetzt ein anderes Mädchen in sein Haus führt. „Mein Herz schlug so laut, dass ich Angst hatte, jemand könnte es hören“, liest die Autorin vor.

Die Geschichte ist bereits eine Fortsetzung. „Ich hatte bei dem ersten Teil kein gutes Ende geschrieben und da haben mir viele Schüler geschrieben, dass ich das ändern soll“, so Annette Weber.

Das ist das Besondere an der Autorin, sie sucht das Gespräch mit Jugendlichen. Gemeinsam mit einem türkischen Jungen, der mit 16 Jahren wegen Raubüberfällen und Drogenhandel ins Gefängnis kam oder mit einem Mädchen, die sich selbst verletzte, schrieb sie Bücher. Auch eine 15-Jährige, die schwanger wurde, oder mit Schulschwänzern traf sie sich. „Die Jugendlichen bekommen dafür Geld“, so Annete Weber, „das Buch hilft ihnen hoffentlich auf den richtigen Weg.“

Die Autorin schreibt lebendig und authentisch, verwendet auch Schimpfwörter und Kraftausdrücke bei der wörtlichen Rede. So ist das bei Problemen, die Jugendliche betreffen. Und so lesen sie vielleicht.

 

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