„Bananen-Herbert“ macht in Spargel

„Bananen-Herbert“ (Herbert Schnabel)
„Bananen-Herbert“ (Herbert Schnabel)
Foto: WAZ FotoPool
Auch als Rentner bringt der ehemalige Marktschreier regelmäßig Obst und Gemüse am Marktstand unters Volk. Aus Gründen der Geselligkeit, Liebe zum Beruf und für die Urlaubskasse.

Hattingen..  Für seine Stammkunden stellt sich die Frage nicht. Da kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Was Herbert Schnabel macht? Verkaufen natürlich. Obst und Gemüse. Auf dem Markt. Erst Donnerstag stand er am Stand von Branden­stein in der Fußgängerzone. Obwohl das Wetter durchwachsen war. Und lockte die Kunden mit Spargel und Erdbeeren, die Saison haben.

Dass die weißen und grünen Stangen nicht zu seinem Lieblingsgemüse zählen, verschweigt der 66-Jährige dezent. „Ich kann doch nicht Spargel verkaufen und sagen, ich ess’ keinen Spargel“, ist seine Verkaufsstrategie. „Ich ess’ alles“, sagt er stattdessen.

Auf der Suche nach dem Interview-Partner für die Serie war mir sein Nachname entfallen. Hängen geblieben war, was die meisten im Kopf haben: „Bananen-Herbert“. Der lacht dazu nur: „Das sagen viele“. Der Spitzname aus Marktschreiertagen in den 80ern ist an ihm kleben geblieben. Ganz so laut wie früher preist er die gelbe Frucht nicht mehr an. Aber die Artikel wollen schon unters Volk gebracht werden – mit flotten Sprüchen.

Langeweile ist nichts für das Unikum

So oft wie früher ist „Bananen-Herbert“ nicht mehr am Ball. Schließlich ist er inzwischen in Rente und verkauft nur noch fürs Urlaubs-Zubrot. Und für den Spaß an der Freud. Denn die Hände in den Schoß legen, Trübsal blasen und Langeweile schieben: Das ist nichts für das Unikum. Oder über Krankheiten reden, was seiner Ansicht nach viel zu viele ältere Menschen tun. Herbert Schnabel plaudert lieber über andere Dinge. Obwohl auch er zum Thema einiges beizusteuern hätte. Er freut sich lieber des Lebens. Genießt es um so mehr, seit er ausgerutscht ist und bewusstlos war. Zum Glück wurde er gefunden. Weder in der Arbeit noch beim Bäcker war der alleinstehende Mann wie sonst üblich aufgetaucht. Mitmenschen machten sich Sorgen. Was ihm das Leben rettete.

Herbert Schnabel geht raus bei Wind und Wetter. Und preist immer noch gern Naturalien an. Die meisten Kunden mögen die Wortgefechte mit ihm. Manchmal bleibt aber auch ihm die Spucke weg. Etwa beim Spargelkäufer, der telefonierte, welche Sorte er denn nehmen solle – und sich dann vier Stangen einpacken ließ. „Da war das Gespräch ja teurer als der Spargel“, schüttelt er den Kopf. Ungläubiges Staunen hatte er für die Frau übrig, die sich am Stand 20 Einkaufstüten schnappte – „die passen so gut in den Mülleimer“ – ohne etwas zu kaufen.

Gekauft hatte vor über 20 Jahren ein Chinese. Und 10 000 Mark vergessen. Die Herbert Schnabel sicherte. Zum Dank nach China fliegen und dort einen kostenlosen Urlaub verbringen, wollte der Hattinger nicht. Ihn zieht es eher nach Gran Canaria. Dort liegt er nicht faul am Strand. Er geht spazieren. Und raus unter Leute.

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