Bahnreisende bleiben gelassen

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Streik sorgte für Zugausfälle. S3-Abfahrt war nur stündlich vorgesehen. Essen und Oberhausen fielen als Halt aus. Fahrgäste kamen am Bahngleis ins Gespräch über alternative Verbindungen.

Hattingen..  Oberirdisch zeigt die Anzeigentafel an „S3 Oberhausen 12.45 Uhr“. Wer sich frohlockend eine Etage tiefer zum S-Bahnsteig Hattingen-Mitte begibt, wartet jedoch vergeblich auf die Bahn: Der Streikaufruf der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) traf auch Hattinger.

Während die Straßenbahn 308 ruhig ihre Tour fährt, die Fahrgäste in die wartende Bahn einsteigen, sitzen sie unten auf Wartebänken, suchen per Handy im Internet nach Informationen. Die Fahrgastinformationstafel jedenfalls zeigt nur die aktuelle Uhrzeit an. Der Fahrkartenautomat gibt genauere Auskunft: Vor jeder Verbindung nach Essen oder Oberhausen erscheint ein Warndreieck. 12.45 Uhr: „Zug fällt aus“. Der Zug immerhin um 13.05 Uhr soll fahren, aber beim gewünschten Halt Oberhausen oder Essen erscheint: „Halt fällt aus“.

Im Bogestra-Center am Busbahnhof weiß man, warum: Die S-Bahn fährt nur bis Steele-Ost. Einer Fragenden, die ins Zentrum des Essener Stadtteils möchte, kann hier eine Busverbindung angeboten werden. Normalerweise verkehrt die S-Bahn an Wochentagen im 20-Minuten-Takt, jetzt ist ihre Abfahrt nur stündlich geplant. Unten am Bahngleis derweil kommen die Wartenden ins Gespräch über alternative Verbindungen, Privatbahnen.

„Die Deutsche Bahn AG bedauert die Unannehmlichkeiten sehr“, steht auf der Internetseite der Deutschen Bahn (DB). Denn der Streik bringt manchen Alltag durcheinander. „Ich fahre jeden Tag mit der S3 von der Arbeit in Essen-Steele nach Hause“, erzählt Christoph Fries. Morgens fährt er mit seiner Frau mit dem Pkw in die Nachbarstadt. „Wir arbeiten im selben Konzern, das ist für die Hinfahrt also kein Problem. Aber nachmittags muss ich auf Bus und Bahn umsteigen und bin doppelt so lange unterwegs.“ Trost: Er kenne die Prozedur bereits und wisse, welche Verbindungen er im Streikfall nehmen müsse.

Uwe Hennig verlässt sich auf den Ersatzfahrplan. „Das habe ich die letzten Male schon so gemacht. Ich informiere mich am Abend vorher, weiß dann, zu welchen Zeiten die Bahn kommt.“ Allerdings muss er bis nach Ratingen, zwischendurch umsteigen. Das sei aber kein großes Problem, da sich seine Fahrt nur um eine halbe Stunde verlängere.

Karl-Heinz Kunze aus Duisburg kauft manchmal in Hattingen ein, reist aber auch nach Düsseldorf. „Es ist nervig, dass man nur so langsam vorwärts kommt“, beschwert sich der Rentner, der kein Auto besitzt. Taxen nutzen nur wenige. Die meisten weichen auf Busse und Straßenbahnen aus. Vereinzelt bilden Pendler Fahrgemeinschaften. Eine Studentin etwa wird von einer Kommilitonin abgeholt, die dafür einen kleinen Umweg fährt.

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