Autozulieferer meldet Insolvenz an

Foto: Volker Speckenwirth
  • Die Firma AZ (Ausrüstung und Zubehör) will interne Manipulationen klären
  • Knapp 150 Mitarbeiter sind an der Ruhrallee betroffen
  • Insolvenzverwalter sieht gute Chancen für eine Rettung

Hattingen..  Die Firma AZ (Ausrüstung und Zubehör) hat beim Amtsgericht Essen Insolvenz beantragt. Betroffen sind knapp 150 Mitarbeiter. Im Rahmen einer vorläufigen Planinsolvenz arbeitet die Geschäftsführung des Unternehmens im Henrichspark in vorläufiger Eigenverantwortung weiter. Ziel ist es, ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln und die Firma zu retten.

Dafür sieht Frank Kebekus gute Chancen. „Betrieb und Produktion laufen wie gewohnt weiter“, sagte der Düsseldorfer Insolvenzverwalter am Dienstag auf Anfrage der WAZ. Wichtig sei in den nächsten Wochen, wie sich die Gläubiger verhalten, ehe am 1. Februar 2017 das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Am Montagabend hatte das Unternehmen mitgeteilt, den Insolvenzantrag am Freitag vergangener Woche gestellt zu haben. Ausgangspunkt der wirtschaftlichen Schieflage sei der Selbstmord des ehemaligen AZ-Geschäftsführers im Juni 2016 gewesen. „Beginnen mit Geständnissen von Mitarbeitern zeigte sich, das seit einigen Jahren der Ergebnisausweis der AZ manipuliert wurde, um die wirkliche Geschäftsentwicklung nach innen und außen zu verschleiern“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Die ABC-Gruppe, zu der die Hattinger Firma AZ gehört, habe daraufhin eine systematische Aufklärung eingeleitet. Ergebnis: Seit 2014 sei ein Korrekturbedarf in Millionenhöhe entstanden, das Geschäftsmodell ohne grundlegende Restrukturierung nicht mehr tragfähig. Die soll die Planinsolvenz jetzt sicherstellen.

AZ (Ausrüstung und Zubehör) wurde 1956 gegründet. 1991 übernahm die Unternehmensgruppe Altenloh, Brinck & Co (ABC) mit Hauptsitz in Ennepetal – die älteste Schraubenfabrik Deutschlands ist weltbekannt für ihre Spax-Schrauben – die Firma. 1996 zog AZ aus Heiligenhaus in den Hüttenpark um, 2002 wurde dort eine zweite Produktionshalle gebaut. Der weiße Firmenkomplex an der Ruhrallee 1-3 ist nicht zu übersehen. Der Umsatz verdreifachte sich, der Absatz erfolgt weltweit. Gefertigt werden unter anderem Sicherheitsteile für Lkw-Scheibenbremsen. Außerdem Zubehörteile für Daimler, Opel und VW.

Kurzarbeit während der Autokrise

Im Jahr 2009 erwischte die Flaute in der Automobilindustrie auch das Hattinger Unternehmen. Bei den Nutzfahrzeugen und im Pkw-Bereich brach der Umsatz um 30 bis 40 Prozent ein. Die Folge wie in vielen anderen Betrieben der Branche. Kurzarbeit.

Geschäftsführung und Betriebsrat waren am Dienstag für die WAZ nicht zu erreichen.

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