Aus nach 351 Jahren

Das Stammhaus der Löwen-Apotheke war der Kirchplatz 8. Im Jahr 1982 folgte der Umzug zum Steinhagen.
Das Stammhaus der Löwen-Apotheke war der Kirchplatz 8. Im Jahr 1982 folgte der Umzug zum Steinhagen.

Hattingen.  Die Geschichte von Hattingens erster Apotheke spielt an zwei Standorten. Johann Melchior Schumacher eröffnete sie.

Ein Stück Hattingen hörte auf zu existieren, als die Löwen-Apotheke am 30. Juni 2003 nach 351 Jahren für immer ihre Türen schloss – sie war die erste und damit auch älteste in der Stadt.

Als das Jahr der Eröffnung gilt 1652. Stadtarchivar Thomas Weiß erläutert: „Aus diesem Jahr stammt die Urkunde nach der es Johann Melchior Schumacher gestattet war, mit Kräutern und Pulvern Heilmittel herzustellen.“ Dokumente über den genauen Eröffnungstag oder den Ursprung des Namens Löwen-Apotheke gibt es nicht. „Man darf sich eine Apotheke anno 1652 auch nicht wie eine heutige vorstellen, in der die Menschen mit Rezepten in der Hand fertig verpackte Medikamente kaufen“, fügt Weiß hinzu. Unbekannt ist, ob Schumacher dieses junge Gewerbe von jemand anderem übernommen hat. Noch einmal erklärt Thomas Weiß: „Um 1630 wirkte Wilhelm Mathheisen in der Stadt. Er war auch als ,Wilhelm, der Arzt’ bekannt, dabei war er kein Arzt, sondern Bader. Er hatte also mehrere Aufgaben, und es kann sein, dass es bei den vermeintlichen Apothekern genauso war.“

Dafür sind lückenlos sämtliche Inhaber der Apotheke vom Kirchplatz 8 bekannt. In Erinnerung dürfte vielen Hattingern noch die Familie Weeren sein, die im Jahr 1819 erstmals in Erscheinung trat und bis 1972 das Geschäft führte. Dann übernahm Heinrich Maas. An ihm liegt es nicht, dass die letzten 31 Jahre der Geschichte eingeläutet wurden. Seine Frau Hella erzählt die Geschichte zu Ende. „1982 sind wir zur St.-Georg-Straße umgezogen.“ Es war das erste Mal überhaupt, dass die Apotheke an einem anderem Standort als dem Kirchplatz neu eröffnet wurde.

Viele wundern sich noch heute, dass das Stammquartier verlassen wurde. Maas begründet: „Wir erfuhren, dass der Besitzer des Hauses, in das wir umgezogen sind, eine Apotheke in seinem leer stehenden Ladenlokal haben wollte. Und bevor eine andere Apotheke eröffnen konnte und uns vom Kundenstrom abschneidet, haben wir zugegriffen.“

Noch heute erinnern die mattgoldenen Buchstaben über dem Ladenlokal in der St.-Georg-Straße/Ecke Steinhagen an die Vergangenheit. Inzwischen hat dort ein Café eröffnet.

„Im Jahr 2003 ist mein Mann dann in Rente gegangen. Lange haben wir nach einem Nachfolger gesucht, aber den potenziellen Pächtern war die Ecke zu einsam. Gleichzeitig waren die Mieten hoch, Parkplätze gab es keine“, erzählt Hella Maas.

Wirtschaftlich ging es der Apotheke nicht schlecht, Maas baute sich in den 30 Jahren seines Wirkens einen treuen Stammkundenkreis auf. „Aber das beeindruckte die möglichen Nachfolger nicht“, erklärt seine Frau.

 
 

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