Auf ein Kunstwerk folgen wilde Tiere im Zirkus

Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
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Ein bisschen Expressionismus lernten Schüler kennen, doch bastelten dann Bären in einer Manege.

Hattingen..  „Dann malen Künstler mit kräftigen Farben“, antwortet Lotte und Yannick sagt: „Sie malen nicht die wirkliche Welt, sondern mit Fantasie.“ Hier geht es um den Expressionismus. An drei Tagen bastelten Schüler verschiedener Klassen der Grundschule Alt-Blankenstein kleine Zirkusmanegen im Stadtmuseum. Künstlerin Angelika Herker leitete das Projekt. Klassenlehrerin Heike Bergener-Braun hat schon öfter Aktionen im Stadtmuseum wahrgenommen. „Die Kinder lernen einen anderen Ort kennen und haben andere Ansprechpartner. Die räumliche Nähe zum Stadtmuseum bietet sich für uns an“, sagt sie.

Zuerst betrachten die Viertklässler gemeinsam mit Künstlerin Angelika Herker das Ölbild „Zirkusreiter“ von Max Pechstein aus dem Jahr 1917. Es ist zurzeit in der Wechselausstellung „Meisterwerke des Expressionismus“ im Stadtmuseum zu sehen. Angelika Herker erklärt: „Die Expressionisten waren die ersten Künstler, die freier gemalt haben, sich von dem Gegenständlichen gelöst haben. Sie haben die Landschaft oder Personen nicht realistisch gemalt, sondern nach ihrem eigenen Empfinden.“

Das Bild „Der Zirkusreiter“ hat Angelika Herker ausgewählt, weil es einen Artisten zeigt, der auf zwei trabenden Schimmeln steht und mit einem Arm eine Tänzerin hoch hebt. „Es zeigt etwas Besonderes, das man nicht täglich sieht.“

Anschließend malen die Kinder jedoch kein eigenes Bild, sondern basteln kleine Zirkusmanegen aus Tortenplatten, die mit Vorhängen und Figuren aus Pappe verziert werden. Und die Kinder gestalten eine (nicht unumstrittende) Vorstellung: Affen klettern durch Feuerringe, Bären rutschen am Drahtseil herunter, Tiger machen Saltos und Nashörner stehen zur Schau herum. Das alles ist hier erlaubt.

In Wirklichkeit will der Bundesrat wilde Tiere im Zirkus verbieten. Thimo (10) weiß: „Tiger sind eine bedrohte Art. Wenn Tiger in einem echten Zirkus auftreten, finde ich das nicht gut. Das ist Tierquälerei.“ Yannick (10) schneidet einen gezeichneten Bären aus. „Ich habe in einer Vorführung schon mal einen Bären gesehen, der mit einem Ball gespielt hat“, sagt er.

Andere Kinder lassen Clowns auftreten. „Der starke Sven hebt Gewichte. Die sind 400 Kilogramm schwer“, erklärt Jannik (10) und zeigt auf die Muskeln seiner Figur. Aber die meisten Kinder wollen im Zirkus Tiere sehen und sind davon beeindruckt, dass sie „so gut hören“.

Das Basteln macht allen Kindern Spaß und sie sind sehr kreativ. Doch statt eine umstrittene Zirkusmanege mit wilden Tieren als Gegenstand auszuwählen, wären andere Motive vielleicht besser geeignet gewesen. Kinder lernen schließlich immer.

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