Armutskonferenz ohne Arme

Foto: WAZ FotoPool
Andrea Steinbach von Hattingen solidarisch wünscht sich bei der zweiten Zusammenkunft mehr als Berichte und Zahlen. Die Stadt setzt auf Vernetzung.

Hattingen..  „Ich würde gern mal mehr als Zahlen und Berichte hören“, sagt Andrea Steinbach von Hattingen solidarisch im Vorfeld der Armutskonferenz, die am Freitag, 8. November, von 14 bis 17 Uhr in der Realschule Grünstraße stattfindet. Sie wird dabei sein. Wie im Januar 2012. Damals hat sie „keinen einzigen Betroffenen gesehen“, räumt aber ein, es sei auch „ganz schwierig“ an die Menschen heranzukommen, die Hilfe brauchen.

Am liebsten würde sie direkt im Anschluss an das Treffen aktiv werden und helfen. Wünschte sich, dass beispielsweise mal eine Lehrerin erzählt, wo ihr Armut in der Schule begegnet, wie sie sich äußert, damit der Verein unterstützen kann. Und würde gern mit einem Tornister Freude erzeugen bei einem Kind, damit es sich beim Lernen mal nicht benachteiligt fühlt und auffällt mit einer kaputten Schultasche.

Gemeinsam handeln

Hattingen solidarisch hat auch in der Vergangenheit Tornister und andere Dinge verteilt, bekommt die Betreffenden meist aber nicht zu Gesicht. Dafür treffen nette Briefe ein, in denen sich Kinder bedanken.

Der Bildungsgedanke steht im Vordergrund bei der Veranstaltung, zu der Beigeordnete Beate Schiffer einlädt mit dem Hinweis: „Wir können Armut nicht strukturell beseitigen, aber wir können Benachteiligungen durch gemeinsames Handeln vor Ort etwas entgegensetzen.“ Wer ebenfalls handeln möchte: Bis 31. Oktober sind Anmeldungen bei Silvia Rudka unter s.rudka@hattingen.de möglich.

Jedes sechste Kind, jeder zwölfte Erwachsene im EN-Kreis ist arm. Die Erkenntnis vor über eineinhalb Jahren traf die Veranstalter der ersten Armutskonferenz in Hattingen wie ein Paukenschlag. Als Instrument für die zweite stimmt sie nächsten Monat schulische und außerschulische Bildung an.

Durch das Bildungs- und Teilhabepaket, das anfangs schleppend gelaufen sei, könne man auch auf lokaler Ebene helfen, so Beigeordnete Schiffer. Es gebe Sozialarbeiter an allen Schulen, die auf Probleme aufmerksam machen können. Ansonsten setzt sie auf Vernetzung dessen, was vorhanden ist. Denn bei zusätzlichen Maßnahmen sind der Kommune finanziell die Hände gebunden. Alle Bildungsmöglichkeiten aufzulisten, sei in der begrenzten Zeit auch kaum möglich. Doch soll nicht nur Schulwissen im Fokus stehen, nicht nur Abitur und Studium, die je nach Neigung auch kein Garant für einen Arbeitsplatz seien. Ziel sei, Jugendliche in die Lage zu versetzen, eine Arbeit zu machen, die ihren Fähigkeiten entspricht. Die Konferenz will eine Plattform bieten für Ideen. Andreas Gehrke vom Kinderschutzbund würde gern mehr Geburtstagskindern, die daheim nicht feiern können, eine Fete ausrichten.

EURE FAVORITEN