Als Schallplatten beschnuppert wurden

Ulli Engelbrecht
Ulli Engelbrecht
Foto: waz
Autor Ulli Engelbrecht erinnert mit einer Lesung an die Musik seiner Jugendzeit.

Hattingen..  Wer beim Popsong „Penny Lane“ von den Beatles an seine eigene aufregende Jugendzeit denkt, der taucht mit dem Buch „Samtcord, Strass und Soundgewitter“ bestimmt gerne ein in eine Musikzeitreise. Autor Ulli Engelbrecht (55) weckt in der Stadtbibliothek Erinnerungen an vergangene Tage der 1970er und 1980er Jahre, wo Schallplatten angesagt waren und die Jungs und Mädchen nicht mit einem MP3-Player die Straßen auf- und abliefen, sondern mit angehaltenem Atem vorm Radio knieten.

Die gespielten Hits klangen „immer verrauscht und trotzdem wunderbar“. Leider begrüßt Ulli Engelbrecht nur wenige Zuhörer zu seiner „Rockstories Leseshow“. Er spielt einen Ausschnitt aus einer alten Radiosendung vor. „Wer weiß, wie sie hieß?“ Ein Mann ruft: „Diskothek im WDR!“ Engelbrecht freut sich: „Moderator Mal Sondock hat ein schräges Denglisch gesprochen und quatschte fast immer auf die gespielten Hits drauf, was schlecht fürs Aufnehmen war. Doch was in dieser Radiosendung gespielt wurde, war am nächsten Tag Gesprächsstoff auf dem Schulhof.“

Von Rory Gallagher spielt er dem Publikum den Song „Moonchild“ vor. Doch als Kind mochte er Schlager: „Meine erste Freundin muss Eva heißen“, beschloss er damals, weil er „Weine nicht, kleine Eva“ von den Flippers hörte. Daraus wurde nichts: „Das erste Mädchen, mit dem ich ging, hieß Maria – ausgerechnet so, wie meine Mutter. Das konnte natürlich nicht gut gehen. Schon deshalb nicht, weil ich erneut einen Schlager für mich entdeckt hatte: Monika von Ulli Martin.“

Plötzlich fordert Engelbrecht die Zuhörer auf, Aerobic im Stil der 80er Jahre zu machen: Alle beugen sich gleichzeitig zur Seite. Eine Frauenstimme ruft auf der abgespielten Kassette: „Po fest zusammenpressen, als würde man einen Pfennig damit festhalten.“ Die Gäste lachen.

Engelbrecht schimpft über „das musikalische Brechmittel Modern Talking“. „Bohlens ständiges Grinsegesicht unter der blonden Föhnfrisur“ konnte er nicht leiden; seine „Bum-Bum-Musik fraß sich binnen eines halben Jahres wie ein Krebsgeschwür durch die ganze Welt. Bohlen sah sich häufig schon in der Galerie bekannter deutscher Komponisten mit eigenem Gipskopf verewigt: Bach, Beethoven, Bohlen.“

Am Ende heißt es dann: „Und plötzlich merkst du, dass du älter geworden bist, weil du dich daran erinnerst, als du mit 15 oder 16 die erste Schallplatte gekauft hast. Und wie sorgsam du damit umgegangen bist. Wie du sie dir erstmal beguckt und gedreht und daran geschnuppert hast.“ Das war eine besondere Zeit.

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