Allah nahe sein

Erkan Cöloglu
Erkan Cöloglu
Foto: WAZ FotoPool

Hattingen..  Die Muslime feiern ihr Opferfest. Zu den vier Festtagen gehören das Morgengebet, das rituelle Opfer und die Pilgerfahrt.

Am Dienstag begann für die Muslime das Opferfest, das in Hattingen mehrere hundert Gläubige feiern. Mit dem Vorsitzenden der Türkisch Islamischen Gemeinde, Erkan Çöloglu (32), sprach unser Mitarbeiter Timo Klippstein.

Die Gläubigen feiern vier Tage lang das Opferfest. Was passiert in dieser Zeit?

Erkan Çöloglu: Am ersten Tag haben die Muslime das Opferfest mit dem Gebet um 8.30 Uhr begonnen. Das war die Eröffnung des Fests. Einige Gläubige haben sich dafür extra Urlaub genommen, auch Schüler haben frei. Etwa 700 Muslime aus Hattingen haben daran teilgenommen. Danach ist ein gemeinsames Frühstück üblich. An den vier Tagen besuchen sich die Menschen gegenseitig: die jüngeren Menschen die Älteren, die Enkel die Großeltern. Oder man besucht auch Verwandte im Altenheim. In den ersten drei Tagen dürfen Tiere geschlachtet werden. Die meisten Muslime sind nach dem Gebet zur Opferung los gefahren. Einen besonderen Abschluss gibt es nicht am Freitag.

Wie feiern die Menschen?

Die Kinder erhalten Geschenke, Süßigkeiten, Taschengeld oder Kleider. Die Familien kochen besondere Speisen zum Festtag, wie Braten. Zudem ruft man seine Verwandten in der Türkei an und gratuliert sich. Bedürftigen wird geholfen.

Was ist die religiöse Bedeutung des Opferfests?

Der Name kommt von der gottesdienstlichen Handlung des Opferns, der Darbringung des Kurban. Opferfest, türkisch kurban bayrami, ist also das Kurban-Fest. Es bedeutet, nahe sein, sich nähern, nahe kommen. Muslime opfern ­Tiere in der Absicht Allah nahe zu kommen. Dadurch lernt man sein Hab und Gut zu teilen, auch Kinder sollen dies lernen.

Wie laufen die Opferungen ab?

Es werden Lamm, Schaf oder Kamel geopfert. Die Opferung selbst dauert etwa eine halbe Stunde, die Tiere werden Richtung Mekka ausgerichtet. Das Fleisch wird anschließend aufgeteilt, aber nicht nur an Muslime. Auch Christen erhalten es. Zudem wird es an Bedürftige verteilt. Einige Opfer werden nach Pakistan gespendet. Die Menschen fahren für die Opferungen nach Bochum, Velbert oder Radevormwald. Einige Muslime haben bereits direkt nach dem Ramadan-Fest das Opfertier reserviert und fangen oft sechs Wochen vorher damit an. Viele Gläubige fahren aber auch nach Holland oder Belgien.

Warum?

Weil dort der Islam als Religion anerkannt ist im Gegensatz zu Deutschland. Diese Regelung erlaubt, dass die Tiere in Holland ohne Schock geschlachtet werden können. Daher fahren auch viele Gläubige aus Hattingen in die Nachbarländer, obwohl sie hier leben und auch hier schlachten wollen. Wir hoffen aber, dass wir als Religionsgemeinschaft anerkannt werden. Dies muss mit dem jeweiligen Bundesland verhandelt werden.

Zum Fest gehört nicht nur das rituelle Opfer, sondern auch die Pilgerfahrt nach Mekka. Nehmen daran auch Hattinger Muslime teil?

Ja, insgesamt sind zwölf Menschen nach Mekka gepilgert. Unter anderem meine Schwester. Die Reise dauert einen Monat. Die Zeit nach dem Opferfest haben die Pilger zu freien Verfügung und besuchen Orte oder nutzen die Zeit zum Gebet.

 
 

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