Affentheater in der Gebläsehalle

Foto: Haenisch / waz fotopool
Herbert Knebel, Ozzy Ostermann, Ernst Pichel und der Trainer holten ihre Vorstellung nach. Publikum begeistert von den Komikern.

Hattingen..  Die Kappe schief auf dem Kopf, das schwere Brillengestell auf der Nase und die Hosenträger über der Brust gespannt: „Der Letzte macht dat Licht aus“ lautet das aktuelle Programm von Herbert Knebel – gemeinsam mit seinem Affentheater versprüht der rüstige Essener Ruhrpott-Charme in der ausverkauften Gebläsehalle und begeistert sein Publikum mit Anekdoten und musikalischem Können und besonders mit Situationskomik.

„Ihr seid ja heute schon zum zweiten Mal hier“, ruft Knebel alias Kabarettist Uwe Lyko ins Publikum und fügt dann mit erhobenen Augenbrauen hinzu: „So is dat heute – einmal zahlen, zweimal kommen.“ Für die Verlegung des ursprünglichen Veranstaltungstermins am 15. März hat der Mann hinter den Brillengläsern jedoch direkt eine Erklärung parat: ­„Ozzy Ostermann hatte es schwer erwischt – er hatte die Grippe.“

Ozzy Ostermann alias Georg Göbel ist an diesem Abend nicht nur der Mann für die Solos auf der E-Gitarre, sondern überzeugt besonders durch schauspielerisches Können als dümmlicher Prolet. Weitere Unterstützung erhält ­Herbert Knebel durch Ernst ­Pichel, gespielt von Martin Breuer am Bass sowie dem chronisch unterschätzten Trainer, dargestellt von Detlef Hinze, am Schlagzeug.

Die Musiker spielen im Laufe des Abends bekannte Rock- und Pop-Stücke, deren Texte Knebel kurzerhand für seine Zwecke umfunktioniert und humorvoll ins Programm einbaut. Knebel lässt das Publikum teilhaben an den Erfahrungen mit seiner neuerdings vegan lebenden Enkeltochter und den damit verbundenen Schwierigkeiten, den Enkeln „Jackeliene“ und „Marzel“ sowie seiner Ehefrau Guste einen eigenhändig totgefahrenen Hasen zu servieren. Dabei seien die Reifenspuren auf dem Vierbeiner zuvor beseitigt worden. Ausführlich berichtet er von den Folgen dieses Familienessens: Da er das Fleisch letztlich allein isst, folgen nachts die Magenbeschwerden. „Ich dachte, der Unfallgegner bäumt sich in mir auf“, stöhnt Knebel und streicht sich über den Bauch: „Dat war wie ‚Aufstand der Tiere‘, aber als Hörbuch.“

Im Mittelpunkt seiner Erzählungen stehen jedoch meist Knebels Liebe zu seiner Heimat Essen und das Leben mit seiner Frau Guste. Dieser widmet er gleich mehrfach musikalische Liebeserklärungen – so schmettert er in einem Moment gemeinsam mit seiner Band „70 Jahr, graues Haar“, während er sich im nächsten auf die Knie wirft und seiner Guste auf musi­kalischem Wege einen Seitensprung beichtet. Die Zuschauer brechen indes immer wieder in heftiges Gelächter aus. „Bitte reißt euch zusammen“, ruft Knebel, noch immer am Boden liegend, seine Ehefrau um Vergebung anflehend und betont: „Das ist mir sehr ernst.“

Diese Ernsthaftigkeit aufrecht zu erhalten, gestaltet sich für die vier Darsteller schwierig – vom ­lachenden Publikum angesteckt, können auch die Kabarettisten sich das Schmunzeln oft kaum verkneifen. Nach mehr als zwei ­Stunden Musik, Schauspiel und Komik sowie zwei Zugaben macht Herbert Knebel schließlich das Licht aus.

 
 

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