Äpfel zum Mitnehmen

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Hattingen..  Auf der Internet-Plattform Mundraub kann jeder den Standort von herrenlosen Obstbäumen und Sträuchern eintragen.

Die Brombeerhecke an der Isenbergstraße, Holunder von der Nierenhofer oder Haselnüsse aus Elfringhausen: All diese leckeren Sachen landen jetzt nicht mehr nur im Marmeladenglas oder gleich im Bauch, sondern auch im Internet. Auf der Seite Mundraub.org kann jeder herrenlose Obstbäume, Büsche, Nüsse oder Kräuter eintragen. So können Mundräuber dann kostenlos Kirschen pflücken oder Äpfel sammeln.

Hinter der Internetplattform stecken fünf Berliner: Lehrer, Unternehmer und Programmierer. „Wir wollen, dass die Menschen erkennen, was alles Wertvolles in der Natur wächst“, erklärt Katharina Frosch (32). Aus Spaß, nicht um die Natur zu retten. Die Idee kam bei einer Paddeltour: Sie entdeckten Obstbäume voller Früchte, die in den Fluss hingen. Jetzt wollen sie auf herrenlose Früchteträger aufmerksam machen, damit das Obst nicht verrottet. Diese zu „ernten macht Spaß“, sagt die Innovations-Ökonomin, die zurzeit promoviert. Für ihre Mundraub-Initiative ernteten sie bereits einen Preis vom Rat für nachhaltige Entwicklung.

Wer Bäume eintragen will, muss eine E-Mail-Adresse für Rückfragen angeben. Damit aus Mundräubern keine Obstdiebe werden. Jeder Eintrag wird überprüft, bevor er freigeschaltet wird, sagt Katharina Frosch. Sie überzeugt sich auf Internet-Landkarten, dass der Pflaumenbaum nicht in einem Garten oder auf einer Streuobstwiese wächst. „In 99 Prozent sind Einträge ok.“

Nach einem Jahr Mundraub stehen mehr als 1000 Einträge im Netz. Manche führen gleich zu 50 Bäumen. In Hattingen ist noch kein Birnbaum verzeichnet. Bei den Nachbarn schon: Am Rathaus in Haßlinghausen ist ein Apfelbaum eingetragen. Klickt man erst auf das Obstbaum-Zeichen und dann auf Wegbeschreibung, öffnet sich die Straßenkarte mit Standort. So findet man auch zum sehr hohen Sauerkirschbaum am Feldweg in Velbert. Oder zu Super-Äpfeln in Wattenscheid-Höntrop, Ausfallstraße Richtung Hattingen.

„Bisher gibt es keinen Trend zu massiver Völkerwanderung“, sagt Frosch. Aber die Sorge sei natürlich da. Wer sich jedoch die Mühe mache, den Korb einzupacken und hinauszufahren, um dann selbst zu sammeln, der macht das aus Freude. Und wer sich am Kirschbaum trifft, kommt ins Gespräch, weiß Katharina Frosch aus Erfahrung.

Von den Pflückern erhofft sie sich Naturverstand. Damit sie nicht empfindliche Kirschbaumtriebe abknicken und den Tieren genug übrig zulassen. Das hofft auch Michael Schindler vom Nabu in Hattingen. Die Mundraub-Idee findet er ganz positiv, wenn die Menschen sich vernünftig benehmen: „Aber für die Artenvielfalt lässt man die Früchte besser hängen.“ Die Vögel hätten genauso Interesse daran. Er kennt ein paar versteckte Obstbäume: „Aber die verrate ich nicht“.

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