62 Gedenksteine sind in Hattingen verschwunden

Ehrenmal an der Waldstraße – ohne Gedenktafeln.
Ehrenmal an der Waldstraße – ohne Gedenktafeln.
Foto: Friedrich
Die Stadt Hattingen ließ Tafeln für Zwangsarbeiter 2002 entfernen. Keiner weiß heute, wo sie sind.

Hattingen..  Lars Friedrich ist schockiert. Bei der Vorbereitung der Ausstellung „Kriegs- und Kriegerdenkmäler der Stadt Hattingen“, die zurzeit im Museum im Bügeleisenhaus zu sehen ist, stellte der Vorsitzende des Heimatvereins fest, dass etliche Grabsteine für Zwangsarbeiter verschwunden sind.

Für die aktuelle Ausstellung habe er „nahezu alle Grabstätten gefallener Soldaten, Zivilisten und Zwangsarbeiter im Stadtgebiet aufgesucht“, so Friedrich. Am Zwangsarbeiterdenkmal auf dem städtischen Friedhof an der Waldstraße habe er festgestellt, „dass die steinernen Namenstafeln auf den 34 Gräbern der aus Russland, Polen und Frankreich stammenden Toten verschwunden waren“.

Hinter Materialgarage gelagert

Weitere Recherchen ergaben: Auch auf dem katholischen Friedhof an der Blankensteiner Straße fehlen die 28 Tafeln für Zwangsarbeiter.

Alle 62 Grabsteine, teilte die Stadt Friedrich auf Anfrage mit, seien „ca. 2002“ nach einem Ortstermin mit einem Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge – nach Friedrichs Informationen wohl aufgrund schlechter Lesbarkeit der Namen – entfernt und hinter der Materialgarage des Friedhofs Waldstraße gelagert worden. „Hier“, so Friedrich, „verliert sich ihre Spur.“

In der Tat: Was dann mit den Gedenksteinen passiert ist, lasse sich heute nicht mehr herausfinden, so Stadsprecherin Susanne Wegemann. Immerhin kenne man inzwischen wieder die 34 Namen der Zwangsarbeiter, an deren Schicksal an der Waldstraße erinnert wurde. Wie es weitergeht? Wegemann: „Wir werden mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Kontakt aufnehmen und gemeinsam nach einer Lösung suchen.“

Auf diese Lösung ist Friedrich dabei schon gespannt: 62 Gedenksteine ersatzlos entfernen zu lassen, findet er, sei schließlich „kein angemessener Umgang mit der eigenen Geschichte“.

 
 

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