58 Grabsteine sind noch erhalten

Über jüdisches Leben sprach Stadtarchivar Thomas Weiß zum 75. Jahrestag der Pogrome im Alten Rathaus am Untermarkt.Foto:Michael Korte
Über jüdisches Leben sprach Stadtarchivar Thomas Weiß zum 75. Jahrestag der Pogrome im Alten Rathaus am Untermarkt.Foto:Michael Korte
Stadtarchivar Thomas Weiß erinnert in seinem Vortrag im Alten Rathaus an jüdisches Leben in Hattingen und zeigt, wo es heute noch Spuren gibt

Hattingen..  „Es ist wichtig, dass wir uns erinnern. Auch die jungen Leute sollen darüber unterrichtet werden. Für sie ist es meistens Geschichte, weil sie in einer anderen Gesellschaft aufwachsen und teilweise Eltern aus anderen Ländern haben. Wir müssen dafür sorgen, dass sie sich mit dem Thema auseinandersetzen“, sagte die Bürgermeisterin anlässlich des Gedenkens der Reichspogromnacht vor 75 Jahren.

Auch in Hattingen brannte die Synagoge, Geschäfte von Juden wurden zerstört. Stadtarchivar Thomas Weiß erinnerte in seinem Vortrag im Alten Rathaus an jüdisches Leben in der Stadt.

Den ersten Hinweis auf jüdisches Leben gab es 1484. Ab 1498 durften Juden in Hattingen nicht leben oder arbeiten. Erst 1809 flammte das jüdische Leben wieder auf. Als Folge der Französischen Revolution erlosch das Verbot. Fortan lebten Juden in der Stadt. 1910 waren es 162, also ein Prozent der Stadtbevölkerung.

1816 entstand die Synagogen-Gemeinde Hattingen. An der Großen Weilstraße 13 besaß sie ein Haus, in dem sie betete und ihre Kinder unterrichtete. 1871 wurde dann in der Bahnhofstraße eine eigene Synagoge mit einem großen Vorplatz gebaut. Ein Schulgebäude folgte ein Jahr später nebenan.

Zuvor wurde schon ein jüdischer Friedhof errichtet. 1819 entstand er aus einem alten Garten an der alten Bismarckstraße. 1893 wurde er zum Vinckenbrink verlegt. Auch heute existiert er dort noch, 58 Grabsteine sind noch erhalten. In Blankenstein gab es früher ebenfalls eine kleine Ruhestätte.

Mit den Christen lebten die Juden friedlich zusammen. Trotzdem gab es einige Antisemiten. Die Juden verbrachten ihre Freizeit an der Ruhr, machten Urlaube, beteiligten sich an Basaren, nahmen an christlichen Hochzeiten teil. Durch die Geschäfte der Juden erlebte Hattingen einen wirtschaftlichen Aufschwung, u.a. gab es Manufakturen, ein Möbelhaus, Metzger. Einer war im Bügeleisenhaus.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das jüdische Leben schlagartig. Juden wurden aus Sportvereinen ausgeschlossen, erhielten kein Wahlrecht mehr, ihre Religion wurde ihnen aberkannt. In der Kristallnacht brannte die Synagoge ab, die 1939 abgerissen wurde. Ab 1942 begannen Deportationen, nachdem die Juden fast alle in einem Gebäude untergebracht waren. Ihre Immobilien wurden zum Spottpreis verkauft.

Heute wohnen 30 Juden in der Stadt. Seit 2007 steht ihnen in Bochum ein Gebetshaus der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen zur Verfügung.

 
 

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