140 Lokführer aufs Gleis gebracht

Foto: Funke Foto Services
  • Ausbildung existiert seit 2008
  • Bislang waren nur vier Frauen dabei
  • Hohe Prüfungsanforderungen

Hattingen..  Wer die Lokführer-Ausbildung besteht, hat einen Job so gut wie sicher: Seit 2008 bildet das HAZ (Hattingen Arbeit und Zukunft) Interessenten aus dem Ruhrgebiet wie auch aus dem nördlichen Deutschland in der Theorie zu Lokführern aus. Ungefähr 140 waren es bisher, darunter auch vier Frauen. 95 Prozent bekamen nach bestandener Prüfung Arbeit. Derzeit läuft eine Maßnahme mit 16 Teilnehmern.

Wenn sie Ende des Jahres geprüfte Lokführer sind, werden sie Güter in ganz Deutschland ausfahren. Berechtigt sind sie dann zwar auch zur Personenbeförderung, doch da sind die Jobaussichten schlechter. Auf eine Maschine zu steigen, ist im zweimonatigen Praxisblock ab Mitte August vorgesehen. Im Moment rauchen hauptsächlich die Köpfe der 16 Teilnehmer aus Duisburg, Essen, Bochum, Castrop-Rauxel oder Gelsenkirchen.

Ans Ziel zu gelangen, ist kein Zuckerschlecken. Ein Teilnehmer hat Hilla Womela schon mal gefragt, ob sie die angehenden Lokführer verschrecken wolle. Das will die HAZ-Mitarbeiterin natürlich nicht. Sie will verdeutlichen, dass sich die Teilnehmer nicht wie bei dreijährigen Ausbildungen langsam warmlaufen können, sondern dass sie sofort Gas geben und in zehn Monaten viel lernen müssen für den anspruchsvollen Job.

Müssten bei einer IHK-Prüfung 50 Prozent der Punkte erreicht werden, um zu bestehen, seien es hier 70. Doch auch mit 90 Prozent kann durchfallen, wer eine Sicherheitsanforderung nicht erfüllt: Ein Lokführer darf nicht an Diabetes leiden. Eine Unterzuckerung im Dienst könnte fatale Folgen haben. Einen geregelten Acht-Stunden-Tag muss er nicht erwarten. „Er kann den Zug nicht auf der Strecke stehenlassen“, sagt Hilla Womela. Und Schichtdienst und Wochenendeinsatz sollten ihm keine Bauchschmerzen verursachen. Sie sind normal.

Dafür darf er ruhig älteren Semesters sein. Wie Gerd Trautvetter, der mit 58 Jahren der bisher älteste Teilnehmer ist. Er war selbstständig im Messebau, hat zwischendurch im Büro gearbeitet. Der Flughafen war Sascha Kittners Arbeitsplatz. Der 38-Jährige räumt ein, es sei „harter Stoff“, durch den sich die Teilnehmer der Maßnahme kämpfen müssen. „Ich weiß manchmal gar nicht, wann ich lernen soll“, sagt der Vater von zwei kleinen Kindern. Lkw gefahren hat Wolfgang (46). Doch auch Menschen aus Büroberufen satteln in dieser Maßnahme um.

Mit 41 Prozent waren die meisten Teilnehmer zwischen 30 und 40 Jahre alt, hat Hilla Womela ausgewertet. Sieben Prozent war älter als 50 Jahre. Jeder Fünfte (22 Prozent) kommt aus der Altersgruppe bis 30 Jahre. Und 42 Prozent haben Migrationshintergrund. Der Jüngste, den sie in all den Jahren betreut hat, war 25.

Womela selbst ist auch schon mitgefahren, um sich ein Bild davon zu machen, wie schwer es ist, die Theorie praktisch umzusetzen.

EURE FAVORITEN