Zuschauer werden zu Mit-Akteuren

Zur Tanzfuchs Produktion am Donnerstagabend in der Halle 3 auf dem  Elbers-Gelände kamen nur etwa 40 Besucher. Davon nahmen 20 als Mit-Akteure auf der Bühne Platz.
Zur Tanzfuchs Produktion am Donnerstagabend in der Halle 3 auf dem Elbers-Gelände kamen nur etwa 40 Besucher. Davon nahmen 20 als Mit-Akteure auf der Bühne Platz.
Foto: WP
Die Produktion „Rauschen“ integriert die Zuschauer ins Bühnen-Geschehen mit ein.

Hagen.. Ohne die Zuschauer, die Teil der Produktion werden, ist die Performance nicht vorstellbar. Als stille Mit-Akteure lassen sie die befremdenden Bewegungen an sich vorbei ziehen, an sich vorbei rauschen. „Rauschen“ daher auch der Titel der Aufführung, die am Donnerstagabend im Rahmen des Tanztheaterfestivals Tanzräume gezeigt wurde. Der Aufforderung seitens des Kulturbüros, sich doch keinen Platz im Zuschauerraum zu suchen und statt dessen die auf der Bühne platzierten Hocker zu nutzen, nahm die Hälfte der Zuschauer (leider waren insgesamt gerade mal 40 Besucher in die Halle 3 bei Elbers gekommen) an.

Spannende Gegensätze

Unsicher, doch auch neugierig auf Dinge, die da kommen könnten, verharrten die Freiwilligen auf ihren Plätzen. Und nahmen am Erwachen der vier Körper, die in der kommenden halben Stunde über den Boden krochen, zwischen den Hockern tanzten, sprangen, sich verknoteten oder starr verharrten, teil. Nicht distanzlos, vielmehr ohne Distanz zu den Akteuren.

Die Produktion von Barbara Fuchs irritierte und begeisterte die Zuschauer auf und vor der Bühne gleichermaßen. Vieles wirkte fremd, abstrakt, entrückt. Anderes (wie die von den Freiwilligen wie selbstverständlich unter den Stühlen deponierten Handtaschen und Regenschirme) spiegelte den normalen Alltag wider. Spannende Gegensätze.

Reizüberflutung

Choreographin Barbara Fuchs greift die Reizüberflutung unserer Stress-Gesellschaft auf. Alles wird schnell und simultan erledigt, die Zeit rauscht immer rasanter vorbei. Untermalt wird die Performance von krass-sonoren Klängen und dumpfen Bässen, die Komponist Ritzenhoff auf der Bühne mischt. Die 20 Mit-Akteure werden abgeführt, sammeln sich am Rand. Es herrscht Stille, dann gibt’s Applaus.

Am Samstag, 2. Juni, um 11 Uhr tritt das Jugendtanztheater „Hinterm Horizont“ auf, um 21 Uhr lädt Ballettchef Ricardo Fernando samt Team zur „Latin Late Night“ ein und fordert die Gäste zum Mittanzen auf. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen in der Halle 3 ist frei.

Das poetische Nouveau-Cirque-Stück „Head-Feed-Hands“ über Einzelgänger und Gruppenzwang startet am Sonntag, 3. Juni, um 19.30 Uhr ebenfalls in der Halle 3 auf dem Elbers-Gelände. Karten kosten an der Abendkasse 12, ermäßigt 8 Euro.

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