Zum Valentinstag keimt bei den Hagener Genossen die politische Liebe

Bei der Hagener SPD fügt sich wieder das Miteinander.
Bei der Hagener SPD fügt sich wieder das Miteinander.
Foto: dapd

Hagen.. Wenn Unterbezirksvorsitzender Jürgen Brand heute Abend beim SPD-Parteitag offiziell seinen Rückzug verkündet, hätte der scheidende Genossen-Chef sicherlich gerne passend zum Valentinstag auch die neue Liebe unter den Mandatsträgern in der Ratsfraktion verkündet. Doch ganz so weit sind die hinter den Kulissen mit großer Diskretion laufenden Friedensgespräche zwischen den zuletzt in tiefer Abneigung nebeneinander her agierenden Antipoden noch nicht gediehen.

Stattdessen soll die lähmende politische Narretei unter den Hagener Sozialdemokraten jetzt möglichst am Aschermittwoch endgültig beendet und durch konstruktive inhaltliche Arbeit abgelöst werden.

Neue Kultur des Miteinanders

Kein geringerer als NRW-Innenminister Ralf Jäger wird heute um 19 Uhr am Parteitags-Rednerpult im Mark-E-Veranstaltungssaal an der Rehstraße die Hagener Sozialdemokraten auf den Stärkungspakt Stadtfinanzen einschwören, mit dessen bis 2016 jährlich fließender 40-Millionen-Euro-Spritze des Landes selbst die Stadt Hagen noch die letzte Kurve vor der drohenden Insolvenz bekommen soll.

Ein Thema von hoher Symbolik für die Hagener SPD: Immerhin hatte das zerrüttete Verhältnis der Ratsmitglieder Ende vergangenen Jahres seinen vorläufigen Tiefpunkt erreicht, als Fraktionschef Mark Krippner ein Thesenpapier zu dem Spar-Komplex vorlegte und knapp die Hälfte seiner Gefolgsleute aus Protest erst verspätet zur Sitzung erschien. Ein peinlicher Auftritt, der aber begleitet von feixenden Kommentaren der politischen Rivalen allen SPD-Beteiligten immerhin drastisch vor Augen führte, dass dringend eine neue Kultur des Miteinanders gefunden werden müsse, um nicht endgültig im Tal des politischen Vergessens abzutauchen.

Altvorderen verdrängt

Unter der sensiblen Gesprächsführung von Werner König, Noch-HEB-Geschäftsführer und Ex-Unterbezirksvorsitzender, der seit Wochen mal als Moderator, mal als Mediator agiert, ist es inzwischen gelungen, die zuletzt unversöhnlich in voller Rüstung sich gegenüberstehenden „Würzburger“- und „Zorbas“-Lager (benannt nach den von beiden Seiten bevorzugt genutzten gas­tronomischen Einrichtungen), wieder zusammenzuführen und auf die inhaltliche Arbeit zu fokussieren. Dabei saßen auf der einen Seite des (frauenfreien) Tisches Mark Krippner, Claus Rudel und Timo Schisanowski sowie ihnen gegenüber Jörg Meier, René Röspel und Wolfgang Jörg.

Die Hauptursache für die Fehden, so kristallisierte sich während der auf Konsens ausgerichteten Verhandlungen heraus, waren nicht zuletzt die jüngsten Personalentscheidungen innerhalb der Ratsfraktion. So hatten die nachrückenden jüngeren SPD-Kräfte (Würzburger) ihre mit der Kommunalwahl errungene Mehrheit innerhalb der Fraktion angesichts unüberbrückbarer Differenzen genutzt, die Führungsämter mit eigenen Köpfen zu bestücken und die Altvorderen – vorzugsweise aus dem Zorbas-Lager – in die hinteren Reihen zu verdrängen.

Außerordentliche Wahl

Politische Muskel- und Ränkespielchen, die bei den nächsten Wahlen zum Fraktionsvorstand jetzt beendet und durch eine paritätischere, alle Seiten integrierende Besetzung der Schlüsselposten abgelöst werden soll. Turnusmäßig steht dieses Votum eigentlich erst im Oktober wieder auf der Agenda, doch vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden neuen Miteinanders könnte hier im Frühjahr auch eine außerordentliche Wahl symbolisch für Frieden sorgen.

Doch die aufkeimende Einsicht, dass nur ein konstruktives Miteinander die Hagener Sozialdemokraten auch wieder zu einem ernsthaften politischen Faktor werden lässt, reicht noch weiter. So sollen in den Gesprächsrunden nach Informationen dieser Zeitung ebenfalls die Weichen gestellt worden sein, dass René Röspel und Wolfgang Jörg auch in den nächsten Legislaturperioden wieder für ein Bundestags- bzw. Landtagsmandat kandidieren.

Timo Schisanowski heißer Favorit

Im Gegenzug bleibt der Fraktionsvorsitz im Hagener Rat – den aktuellen Mehrheitsverhältnissen entsprechend – in den Händen der „Würzburger“. Diese sollen zudem auch den ersten Zugriff auf die Brand-Nachfolge erhalten. Demnach gilt Timo Schisanowski als heißer Favorit für die künftige Parteiführung.

Ob sich am Ende die Einflusssphären der einzelnen Lager tatsächlich so klar abgrenzen lassen, müssen in den nächsten Tagen die Rückkopplungsgespräche der Parlamentäre in ihren Zirkeln ergeben. Aktuell steht das Ziel, am Aschermittwoch ein mit wesentlichen Vertretern der Basis abgestimmtes Ergebnis der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

 
 

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