Zuhörer wollen „Tauben vergiften im Park“

Nach einem wunderbar heiteren Abend belohnte der Pianist und Sänger Bastian Kopp seine Zuhörer mit dem wohl bekanntesten Lied von Georg Kreisler.
Nach einem wunderbar heiteren Abend belohnte der Pianist und Sänger Bastian Kopp seine Zuhörer mit dem wohl bekanntesten Lied von Georg Kreisler.
Foto: WP
Pianist Bastian Kopp liefert am Mittwoch einen wundervollen Kreisler-Abend und kommt ohne Zugabe nicht aus dem „Bentheimer“. Zum Abschluss spielte er das wohl bekannteste Lied des Künstlers.

Hohenlimburg..  Am Ende tat er es doch: Nach einem wunderbar heiteren Abend belohnte der Pianist und Sänger Bastian Kopp seine Zuhörer mit dem wohl bekanntesten Lied von Georg Kreisler, jenem „Tauben vergiften im Park“.

Eigentlich hatte er es nicht spielen wollen – und auch nicht müssen, denn bis dahin hatte Kopp bereits überragend von seiner Interpretationsfähigkeit der Kreislerischen Lieder überzeugt. Aber so ganz ohne die toten Vögel in der öffentlichen Grünanlage wollte das Publikum den Künstler nicht von der Bühne ziehen lassen.

Interessanter Querschnitt

Der Kreisler-Abend der „Melange“-Reihe im Bentheimer bot einen interessanten Querschnitt aus Georg Kreislers breit gefächertem Repertoire, jener wunderbaren Verbindung aus Dichtkunst und Komposition.

So treffend Kreisler es verstand, seine bitterbösen, von schwarzem Humor triefenden Texte mit eingänglichen Melodien zu verknüpfen, so meisterlich ließ Kopp die Erinnerung an diesen Satiriker am Klavier wieder aufleben. Mit ausdrucksstarkem Spiel und Gesang belebte er Kreislers pointierte Texte.

Auch für solch einen herausragenden Pianisten eine Herausforderung: „Kreisler hat als Komponist seine Lieder anspruchsvoll arrangiert. Und dazu muss ich zeitgleich noch singen. Das ist nicht einfach“, wie Kopp im Gespräch mit dieser Zeitung erzählte.

Der gebürtige Schweizer Kopp, schon seit langem wohnhaft in Düsseldorf, hat bereits als Kind mit dem Klavierspiel begonnen. Als Jugendlicher erlebte er Kreisler einmal live bei einem Konzert: „Weil die Tontechnik nicht einwandfrei funktionierte, hat er wutentbrannt damit gedroht, das Konzert abzubrechen.

Aber natürlich hat er trotz technischer Pannen auch nach der Pause weitergemacht, er war eben Profi. Sein Auftritt war beeindruckend.“

Aus Kreislers umfangreichem Schaffen hat Bastian Kopp für diesen Abend aus dem Vollen geschöpft: Traurig-melancholische Texte mischte er mit makaber-witzigen, darunter streute er einige der politischen Lieder.

Wortwitzig und sinnfrei

Herrlich wortwitzig, absurd, manchmal auch wunderbar sinnfrei und doch immer wieder treffend sind Kreislers Texte heute noch, obschon der Großteil ab den 50er-Jahren entstand und Kreisler zu Bekanntheit verhalf.

Aktuell wie einst scheint seine Betrachtung des demokratischen Dienstweges im Lied „Der Furz“ oder seine Kapitalismus-Kritik in „Was willst du noch mehr?“.

Viel zu lachen bot die Telefonbuch-Polka, in der fast alle tschechisch-wienerischen Namen mit Anfangsbuchstaben V auftauchen. Auch das sei das schöne an diesen Werken, so Kreisler-Interpret Kopp: „Sein Repertoire ist so wunderbar abwechslungsreich, es gab kein Thema, das er nicht angesprochen hat“, erzählt Kopp über das Gesamtwerk Kreislers.

Und zu diesem Werk gehört eben auch das „Tauben vergiften im Park“, gegen das sich Kopp zu Beginn noch scherzhaft wehrte. „Ich habe nichts gegen das Lied. Es muss nur sehr wienerisch gesungen werden, sonst reimt sich der Text nicht. Und wenn man das als Nicht-Wiener übertreibt, verkommt es zur Karikatur, was ich auf keinen Fall möchte“, erklärte Kopp.

Doch das Hohenlimburger Publikum ließ Kopp nicht eher aufhören, bevor er nicht die „Tauben“ zum Besten gab. Und auch das bewältigte er schließlich mit Bravour.

Die Schaulustigen im Restaurant Bentheimer wiederum bedankten sich für den vergnüglichen Abend mit reichlich Applaus und anerkennendem Lob für seine Kreisler-Interpretation.

 
 

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