Zeit wird knapp bei Suche nach neuem Intendant in Hagen

Der große Bühnenvorhang des Hagener Theaters.
Der große Bühnenvorhang des Hagener Theaters.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Nach Absage von Dominique Caron beginnt die Suche nach einem neuen Intendanten für das Theater
  • Kulturdezernentin Kaufmann will Belegschaft in die Planung der kommenden Spielzeit einbinden
  • Auch die Rolle des künftigen Generalmusikdirektors Trafton könnte ausgeweitet werden

Hagen.. Wie geht es mit dem Hagener Theater weiter, nachdem die designierte Intendantin Dominique Caron am Dienstag überraschend das Handtuch geworfen hat? Wer übernimmt – vielleicht auch kommissarisch – im Spätsommer 2017 die Leitung des Hauses? Wie bzw. wer soll in wenigen Monaten ein attraktives Programm für die Spielzeit 2017/18 präsentieren?

Bewerbungen werden noch einmal studiert

Kulturdezernentin Margarita Kaufmann und Sven Söhnchen, Chef des Aufsichtsrates der Theater gGmbH, haben für die kommende Woche mehrere Besprechungen, u.a. im Aufsichtsrat, geplant. Dabei soll ausgelotet werden, wie bei der Intendantensuche nun verfahren wird. „Wir brauchen auch künftig Fachlichkeit von außen, eventuell in Form eines Personalberaters“, so Söhnchen: „Auch bislang hatten wir in beiden Kommissionen – Intendanten- und Generalmusikdirektor-Neubesetzung – externen Sachverstand. So hat uns bislang schon Stephan Popp vom Deutschen Bühnenverein und unser Ex-GMD Anthony Hermus unterstützt.“ Zudem werde der Aufsichtsrat die Bewerbungen, die in den letzten Monaten für die Intendantenstelle eingegangen sind, aber beiseite gelegt wurden, nun noch einmal studieren.

Noch kein Spielplan erstellt

Die Zeit drängt, denn noch immer ist kein Spielplan für die Spielzeit 2017/18 erstellt worden. Diese grundlegende Aufgabe sollte eigentlich Dominique Caron in Angriff nehmen, doch nach ihrem plötzlichen Rückzug könnten einem neuen Intendanten, sollte denn überhaupt jemand gefunden werden, die für eine sorgfältige Vorbereitung notwendigen Monate fehlen. Dezernentin Kaufmann will deshalb die Belegschaft einbeziehen: „Im Theater gibt es sicherlich Menschen, die in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen.“

Nach ihren Vorstellungen könnte ein Leitungsteam gebildet werden, das die Spielzeitplanung in Angriff nimmt: „Ich denke, es müssen jetzt schnellstens Entscheidungen getroffen werden.“ Auch mit Lutz-Leiter Werner Hahn und Ballettchef Ricardo Fernando, die das Theater bekanntlich im Sommer verlassen, will Frau Kaufmann bei der Nachfolgesuche ansprechen: „Es ist für mich selbstverständlich, dass ich erfahrene Leute um ihren Rat bitte.“

Künstlerischer Programmleiter

Möglicherweise übernimmt auch der kommende Generalmusikdirektor Joseph L. Trafton, der am Donnerstag nächster Woche vom Rat gewählt werden soll, eine Rolle, die über die des musikalischen Kopfs hinausgeht. Denkbar wäre, dass der Amerikaner zusätzlich so etwas wie ein künstlerischer Programmleiter wird und organisatorisch von erfahrenen Mitarbeitern des Hauses, aber auch externen Kräften unterstützt wird.

Marketingleiter Jürgen Potte­baum, der vor einigen Monaten für die Neubesetzung des Chefpostens in die engere Auswahl kam, dann jedoch absagte, bekräftigte gestern: „Ich mach’ nicht den Intendanten.“ Er werde sich jedoch, falls gewünscht, mit ganzer Kraft einbringen. Potte­baum spricht von einem immensen ­Kollateralschaden, den das Theater aufgrund der problematischen Intendantensuche davon trage. Von der Belegschaft erwartet er deutliche Zeichen, wer bereit sei, sich einzubringen. Doch er befürchtet auch, dass die personellen Veränderungen noch nicht abgeschlossen sind: „Ob Ricardo Fernando und Werner Hahn die letzten sind, die das Theater verlassen, weiß man nicht.“

Scheidender Intendant nicht Teil der Vorbereitung

Noch-Intendant Norbert Hilchenbach (63) wird bei der Neuplanung dagegen keine Rolle spielen. Die Vorbereitung der Spielzeit 2016/17 ist weder in seinem Vertrag fixiert noch ist es in Theaterkreisen üblich, dass ein scheidender Intendant dies übernimmt. „Der vernünftigste Weg wäre es jetzt, mit der Suche nach meinem Nachfolger ganz von vorn zu beginnen“, empfiehlt Hilchenbach, der nach seinem Abschied vom Theater aus Hagen wegziehen wird, eine Neuausschreibung der Stelle. Die ganze Entwicklung tue ihm sehr weh: „Vor allem für die Mitarbeiter, die am Haus bleiben, ist die Situation schwer zu ertragen.“

 
 

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