Kommentar

Zeit fürs große Finale

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Das ist Hagens endgültig letzte Chance, den Schaden des Derivate-Debakels abzufedern: Jetzt obliegt es dem neuen Rat, ob diese Stadt noch einmal 1,1 Millionen Euro Verfahrenskosten riskiert, um eine der hässlichsten Finanznarben dieser Kommune zumindest kosmetisch nachzubehandeln. Andernfalls verstreichen auch die letzten Verjährungsfristen, um rechtliche Hebel ansetzen zu können.

Aber ist es das wert? Dies juristisch zu taxieren, erscheint aktuell unmöglich. Wird es tatsächlich möglich sein, gerichtsfest und durch alle Instanzen den Mitarbeitern der Deutschen Bank zu beweisen, dass diese vor sechs Jahren wissentlich unwahre Zeugenaussagen machten und es somit zu einem vorsätzlichen Prozessbetrug kam? Wie viel Leidenschaft wird eine Staatsanwaltschaft heute noch entwickeln, hinter den vor sechs Jahren bereits gemachten Fehlern hinterherzuermitteln? Es bleiben erhebliche Zweifel, ob dieser Weg am Ende von Erfolg gekrönt ist.

Aussichtsreicher erscheint hingegen, sich an der damals beratenden Kanzlei Streitbörger Speckmann schadlos zu halten (Haftungsbeschränkung: 10 Millionen Euro). Die Empfehlung, das 41-Millionen-Euro-Desaster mit einem 5-Millionen-Euro-Vergleichstrostpflaster heilen zu lassen, zeichnete sich bereits 2009 als Holzweg ab.

Der Münchener Jurist Dr. Jochen Weck, der heute als Gutachter agiert, wurde seinerzeit noch in die Wüste verwiesen, als er die Stadt vor diesem Schritt warnte. Obwohl es schon damals Kontakte des Derivate-Experten zur Stadtspitze und zur Politik gab, mochte niemand auf den Rat des seitdem in zahlreichen Prozessen siegreichen Rechtsgelehrten hören.

Jetzt ist Weck wieder da. Erneut weist er der Politik einen Weg aus dem Schlamassel. Eine Zocker-Affäre, die Hagen bundesweit mit einem Makel versehen hat. Aber vor allem ist seitdem das Vertrauen zwischen Rathaus und Bürgerschaft zerrüttet. Wer ohne ausreichende Kenntnisse Steuergelder aufs Spiel setzt, darf sich nicht wundern, wenn die Menschen sich abwenden. Selbst wenn die Stadt bloß einen kleinen pekuniären Erfolg erringt, wäre dies ein großes Stück emotionaler Wiedergutmachung.

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