Zahl der Grundschüler bricht dramatisch ein

Die Grundschule Kipper ist einer von drei Schließungskandidaten in Haspe. Weil die Zahl der Grundschüler drastisch eingebrochen ist, muss die Stadt nun handeln.
Die Grundschule Kipper ist einer von drei Schließungskandidaten in Haspe. Weil die Zahl der Grundschüler drastisch eingebrochen ist, muss die Stadt nun handeln.
Foto: WP Michael Kleinrensing
In Hagen wird es zu Beginn des kommenden Schuljahres knapp 160 Erstklässler weniger geben als prognostiziert. Damit beginnt erneut die Diskussion um weitere Schulschließungen. Auch die Bezirksregierung macht Druck.

Hagen.. Die Zahl der Grundschüler in Hagen sinkt weitaus stärker als erwartet. Nach den derzeit im Schulamt vorliegenden Anmeldungen werden im Sommer nur 1367 Kinder eingeschult – fast 160 weniger, als das im Sommer 2011 veröffentlichte Gutachten des Biregio-Instituts vorhersagte. „Das ist eine dramatische Entwicklung“, fasste Schulamtsleiter Jochen Becker die neue Lage, die selbstredend nicht ohne Einfluss auf die Schullandschaft bleiben wird, zusammen.

Vielmehr ist die Diskussion über die Aufgabe weiterer Grundschulstandorte bereits wieder aufgeflammt. Aus dem Fachbereich Jugend und Soziales kommt der Vorschlag, eine Schule in Haspe zu schließen: Spielbrink, Hestert oder Kipper. Die betroffenen Kinder sollen in die Grundschule Friedrich Harkort wechseln.

Schon ab 2014 kein Anmeldeverfahren mehr durchführen

Doch auch andere Standorte dürften unter Druck geraten. Schon jetzt kann an bis zu zwölf Grundschulen sowie vier Teilstandorten lediglich eine Eingangsklasse gebildet werden. Damit wächst der Anteil der leer stehenden Klassenzimmer – eine Tatsache, die die Bezirksregierung in Arnsberg nicht akzeptieren will. Die Beamten der Kommunalaufsicht haben der Stadt signalisiert, dass die größer werdende Zahl überschüssiger Räume nicht länger hinnehmbar ist und die Beschlüsse, die der Stadtrat im vergangenen Jahr zur Schulentwicklung gefasst hat, nicht weit genug gingen.

Die aktuellen Anmeldezahlen würden die im Biregio-Gutachten benannte Notwendigkeit von Schulschließungen noch einmal verstärken, so die eindeutige Vorgabe aus Arnsberg. Das Schulamt hält es daher für notwendig, schon ab 2014 an weiteren Grundschulen kein Anmeldeverfahren mehr durchzuführen bzw. keine Eingangsklassen mehr zu bilden. Welche Standorte außer Kipper/Hestert/Spielbrink betroffen sein werden, soll „zeitnah“ mit den Politikern besprochen werden.

Reusch will Rücksicht auf Kinder mit Migrationshintergrund

Grenzen bei der Erhaltung von Schulen setzt der Stadt auch die sogenannte Kommunale Klassenrichtzahl, die im Sommer erstmals berücksichtigt werden muss. Demnach dürfen in Hagen maximal 59 Eingangsklassen gebildet werden. Auch der Klassenbildungswert spielt eine Rolle.

Ausgehend von diesen vorgegebenen Kriterien sowie den tatsächlich erfolgten Anmeldungen an den 31 öffentlichen Grundschulen in Hagen hat das Schulamt bereits diverse Rechenexempel und Umverteilungsvorschläge gemacht, die jedoch erheblichen Widerstand hervorrufen dürften. So sollen die Grundschulen Hegemann, Vincke und Volmetal Schüler abgeben und nicht mehr als 29 i-Männchen aufnehmen. Dann könnten sie im Sommer mit einer Eingangsklasse starten. Schulrätin Maria Reusch kritisierte, an den mit zahlreichen Migrantenkindern bestückten Schulen in Altenhagen und Boele sei Unterricht mit 29 Schülern in einer Klasse nicht nur pädagogisch unangebracht, „sondern einfach nicht mehr möglich“.

Wo sind all die Kinder hin?

Aber auch die Interessen deutscher Familien dürften nicht vernachlässigt werden, sprang Ellen Neuhaus, Vorsitzende des Schulausschusses, für die Grundschule Volmetal in die Bresche: „Es kommt nicht in Frage, dass wir kleine Kinder aus Dahl und Umgebung morgens früh bis nach Eilpe oder sonst wohin zur Schule schicken.“

Ein Rätsel ist allen Beteiligten, worauf der Einbruch bei den zukünftigen Erstklässlern zurückzuführen ist. „Sind etwa so viele Leute in kürzester Zeit aus Hagen weggezogen?“ fragte sich nicht nur Hannelore Fischbach, Schulpolitikerin der CDU.

Leichter Trend zu Privatschulen

Es gebe einen leichten Trend zu nicht öffentlichen Schulen, das könne ein Grund sein, spekulierte Schulamtsleiter Becker. Doch neu und damit in den Prognosen nicht einkalkuliert ist lediglich die private, im letzten Jahr gegründete Hagen-Schule an der Lützowstraße – und die verzeichnet keineswegs einen Zuwachs (2012: 8 i-Männchen, 2013: ca. 25), der den allgemeinen Sinkflug erklären könnte.

 
 

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