Wunderheiler-Termin im städtischen Jugendkulturhaus

Im Jugendkulturhaus Kultopia gibt es die Termine des Bruno-Gröning-Freundeskreises. Parallel, so versichert die Stadt, finden zu der Zeit aber keine speziellen Jugendveranstaltungen statt.
Im Jugendkulturhaus Kultopia gibt es die Termine des Bruno-Gröning-Freundeskreises. Parallel, so versichert die Stadt, finden zu der Zeit aber keine speziellen Jugendveranstaltungen statt.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Bruno-Gröning-Freundeskreis mietet städtisches Jugendkulturhaus
  • Filmvorführung über Wunderheiler im Kultopia stößt auf Kritik
  • Ratsgruppe sieht Jugendgefährdung, Stadt rudert zurück

Hagen..  Darf ein Verein, der sich auf einen „Wunderheiler“ beruft, das städtische Jugendkulturhaus Kultopia nutzen? Die Stadt sagt Ja – will nach einer WP-Anfrage künftig aber trotzdem nicht mehr an den Bruno-Gröning-Freundeskreis vermieten. Die Ratsgruppe Bürger für Hohenlimburg (BfHo)/Piraten sieht den Fall kritisch und bringt sie jetzt auch in die politischen Gremien.

Der Ansatz des Vereins „Kreis für natürliche Lebenshilfe e.V.“ und des Bruno-Gröning-Freundeskreises ist höchst umstritten: Man beruft sich auf den gleichnamigen Wunderheiler, der in den 1949/50er-Jahren Schlagzeilen machte. Für drei Termine haben die Gröning-Freunde nun das Kultopia für jeweils 50 Euro angemietet. Einer hat bereits stattgefunden, zwei folgen am 5. und 19. November.

Ratsgruppe sieht Jugendgefährdung

Gezeigt wird der dreiteilige Film „Das Phänomen der Heilung“, für den es einige Ausdauer braucht: Fast fünf Stunden dauert er, in drei Pausen gibt es aber die Möglichkeit zu Gesprächen. Der Film zeige, so die Eigenwerbung, „in welch großem Ausmaß Hilfe und Heilung auf geistigem Weg“ auch heute nach Bruno Grönings Tod 1959 geschehe. Der „Heilstrom“ soll demnach weiter durch Gröning verbreitet werden. Der Eintritt ist frei, freiwillige Spenden werden erbeten.

Frank Schmidt und Christian Specht von der Ratsgruppe BfHo/Piraten können nicht verstehen, dass die Stadt Räume in dem Jugendkulturhaus an den Verein vermietet hat. „Eltern müssen doch sicher sein, dass sie ihre Kinder nicht in eine Einrichtung schicken, in der auch jugendgefährdende Veranstaltungen stattfinden“, sagt Frank Schmidt. Christin Specht sagt gar: „Es ist sicher eine andere Größenordnung, aber es ist so als würde auch an Scientology vermietet.“

Ganz so sieht es die Stadt nicht. Generell könnten alle Organisationen das Kultopia mieten, wenn sie nicht gegen Gesetze verstießen, so Stadtsprecher Michael Kaub. „Die Entscheidung trifft die Leitung des Kultopia – so auch in diesem Fall.“ Geprüft worden sei auch, ob eine Jugendgefährdung vorliege. „Dies ist aber nicht der Fall.“

Deshalb sehe man derzeit auch keine rechtliche Handhabe, von dem Vertrag zurückzutreten. Kaub: „Nicht alles, was von bestimmten Gruppen kritisch gesehen wird, kann Anlass sein, eine Anmietung abzulehnen.“ Und dennoch gibt es eine kleine Kehrtwende: Die kritische Einschätzung des Bruno-Gröning-Freundeskreises – unter anderem durch die evangelische Kirche – sei im Vorfeld nicht bekannt gewesen. Kaub: „Jetzt ist das aber Grund genug, um künftig keine Räume mehr zur Verfügung zu stellen.“

Unverständnis bei Gröning-Freunden

Susanne Goj aus Hohenlimburg, die die Veranstaltung im Kultopia mit organisiert, kann die Aufregung indes nicht verstehen. Seit 15 Jahren ist sie beim Bruno-Gröning-Freundeskreis aktiv: „Wir sind doch ein eingetragener Verein, keiner wird gezwungen, dort hin zu gehen oder zu bleiben. Es gibt aber immer wieder spontane Heilungen.“ Und auch Josephine Brandt, Sprecherin des Kreises für natürliche Lebenshilfe sagt. „Wir haben nur in sehr wenigen Städten Probleme.“

Zur Person

Bruno Gröning(1906 bis 1959) hatte wegen Medienberichten über angebliche Wunderheilungen in den 50er-Jahren viele Anhänger. Er wurde aber auch wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz und fahrlässiger Tötung verurteilt.

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