WP-Fotoprojekt: Christina Stohn erkundet die Hagener Fernuni

In der Fernuni: Im Videostudio mit Green-Screen-Technik beobachtet Christina Stohn den Ton- und Bildingenieur Matthias Heine-Bohnes bei seiner Arbeit am Teleprompter.
In der Fernuni: Im Videostudio mit Green-Screen-Technik beobachtet Christina Stohn den Ton- und Bildingenieur Matthias Heine-Bohnes bei seiner Arbeit am Teleprompter.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Fotoprojekt zeigt neue Perspektiven auf Südwestfalen
  • Christina Stohn mit der Kamera in Hagen unterwegs
  • Frischer Blick auf die Fernuni

Hagen.. Seit Tagen erkundet sie den Campus mit Kamera und Stativ. Die Fernuniversiät ist für sie ein idealer Ort, der den Strukturwandel von der Montanindustrie hin zum Dienstleistungssektor widerspiegelt. Christina Stohn beleuchtet insbesondere den Bereich Bildung und Forschung.

Die Frage, wie sie sich der Entstehung von virtuellen Studienplätzen und dem Prinzip der virtuellen Lehre im Bild nähern kann, beschäftigt die 39-Jährige im Rahmen des Fotoprojektes „Strukturwandel in Südwestfalen“.

Warum sich die im Schwarzwald geborene und mittlerweile in Norddeutschland lebende Frau auf die Fernuni konzentriert? „Weil die Errichtung der Hochschule für mich ein Beispiel par excellence ist, wie auf den in den 1960er-Jahren unwiderruflich einsetzenden Strukturwandel positiv reagiert wurde“, resümiert Christina Stohn.

Die Plätze, Gebäude, Gänge, Säle, Räume, die die Fotografin an der Universitätsstraße vorfindet, zeigen einen prosperierenden Bereich, der die schwindende Bedeutung der Montanindustrie in der hiesigen Region zum Teil aufgefangen hat. Modernste Technik vor wissenschaftlichem Hintergrund springt Christina Stohn vor die Linse – ein Mekka für eine Fotografin, dessen Arbeitsweise grundsätzlich recht theoretisch ausfällt.

„In London haben wir nur zu etwa 50 Prozent fotografiert, die übrige Zeit wurde theoretisch gearbeitet. Das Prinzip, aufwendig zu recherchieren, spricht mich an, und ich habe es beibehalten“, erzählt Christina Stohn. Zum Hintergrund: In London hat die gelernte Werbefotografin ein Bachelor-Studium in Fotografie an der University of Westminister abgeschlossen.

Eine weitere Parallele zu England und ihrer Arbeit in Hagen? Als Vorreiter und Musterbeispiel für die hiesige Fernuni wird stets die „Open University of Milton Keynes“, gegründet 1969 und mittlerweile die größte staatliche Universität in Großbritannien und Europa, genannt. Die „englische Schwester“ der hiesigen Fernuni ist ebenfalls keine Präsenz-Uni. Und sie ist – genau wie die Hagener Bildungsstätte – ein großer Arbeitgeber im Bereich Dienstleistungen und somit wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt bzw. die Region.

Gründungsvater Johannes Rau

In ihren Recherchen, die ihr Fotoprojekt umrahmen, ist Christina Stohn immer wieder auf den Namen Johannes Rau gestoßen. Durch den Einsatz des damaligen NRW-Wissenschaftsministers wurde die „Idee Fernuniversität“ realisiert. „Rau hat sich für die Gründung der Einrichtung eingesetzt. Er hat in dem durch die abnehmende Bedeutung von Kohle und Stahl gebeutelten Standort den Bereich Bildung in den Fokus gerückt und Chancengleichheit postuliert“, so die Fotografin.

1974 wurde die Fernuni gegründet, der Studienbetrieb 1975 aufgenommen. Damals studierten 1300 Studenten dort, heute ist die Hochschule mit 77 000 Studierenden die größte Uni Deutschlands.

Das Zentrum für Medien auf dem Campus ist für Christina Stohn eine ideale Stätte, an der sie im Bild festhalten kann, wie moderne Medienerstellung heute funktioniert. Am Profi-Schnittplatz mit Avid-Programm werden Imagetrailor und Filme für die Lehre erstellt. Für die gelernte Werbefotografin, die auch im Bereich Modefotografie tätig ist, eine regelrechte Spielwiese.

Noch faszinierter ist die 39-Jährige jedoch vom Videostudio, in dem mit Greenscreen-Technik gearbeitet wird. „Früher wurden Aufzeichnungen, wie sie hier entstehen, in einer Bluebox gemacht, doch heute wählt man Grün als Hintergrund“, erzählt Matthias Heine-Bohnes. Der Ton- und Bildingenieur unterstützt Christina Stohn bei ihrem Fotoprojekt, er hat ihr den Teleprompter präsentiert und den Ablauf des Aufzeichnens von Vorträgen, die Professoren halten, erklärt. Eine steril wirkende Szenerie.

Bis einschließlich Mittwoch erkundet die Fotografin noch den Campus als virtuelle Lehrstätte mit virtuellen Studienplätzen. Dann kehrt sie – gemeinsam mit den anderen Studierenden, die bei Professor Peter Bialobrzeski den Studiengang Fotografie besuchen, nach Bremen zurück. „Ich arbeite gerade an meinem Master mit dem Schwerpunkt Kultur und Identität“, erzählt die passionierte Fotografin.

Apropos Identität: Auch diesem Thema geht sie in Hagen nach. „Ich versuche herauszufinden, ob jene, die früher im Bergbau tätig waren, später irgendeinen Bezug zur Fernuni hatten, vielleicht dort eine neue Arbeitsstätte gefunden und ein Identitätsgefühl zu der wissenschaftlichen Einrichtung aufgebaut haben. Und ob es familiäre Zusammenhänge gab.“

Außerdem trifft sich Christina Stohn mit einem der ersten Absolventen der Fernuni. Wie der Mann den Wandel der Region miterlebt hat und wie er den heutigen Dienstleistungsriesen Fernuni sieht, darauf ist sie gespannt. Stativ und Kamera liegen bereit. . .

 
 

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