Wo Selbstverständlichkeiten als Erfolg gelten

Die Schüler gestalteten eine Mauer mit Graffiti.
Die Schüler gestalteten eine Mauer mit Graffiti.
Foto: WP
Die Wilhelm-Busch-Schule veranstaltete kurz vor den Ferien ihre Gesundheitsthementage und die Projektwoche Medien. Die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung erzielte beeindruckende psychologische Ergebnisse.

Hagen.. Es ist entspannt. Einfach entspannt. Die Kochtöpfe dampfen. Dichtes Gebrabbel an allen Tischen. Mittagszeit. Das mag für viele Schüler in Hagen eine alltägliche Szenerie, ein eingeübtes Ritual sein. Aber dieses Mittagessen verdient Beachtung. Weil der Schulalltag hier nicht alltäglich ist. Weil er oft schwierig ist. Die Wilhelm-Busch-Schule veranstaltete kurz vor den Ferien ihre Gesundheitsthementage und die Projektwoche Medien. Die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung hatte mit den kreativ-praktischen Unterrichtswochen bereits im Vorjahr beeindruckende psychologische Ergebnisse erzielen können.

Es gibt Dinge, die so klein sind, dass niemand von uns sie als Erfolg oder Fortschritt bezeichnen würde. Die so selbstverständlich sind, dass sie keiner Erwähnung bedürfen. Diese Momente sind es, die das Team der Wilhelm-Busch-Schule als Erfolg versteht. Hier, wo Kinder unterrichtet werden, deren junges Leben schon oft von Gefühlen begleitet wurde, die kein Kind erleben sollte. Kinder, auf deren Psyche Schatten liegen und deren Verhalten manchmal unvorhersehbar ist.

Die Medienwoche fand in Halden statt

„Was unsere Projekttage mit den Kindern machen, ist wirklich erstaunlich“, sagt Schulleiterin Christine Wolter. Die Medienwoche, in der neben einem Trommel-, einem Hip-Hop-Workshop oder einem Filmprojekt auch gemeinsam gekocht wurde, fand am Primarstufen-Standort in Halden statt. Tanz-Coach Daniel Fromme trainierte zum Beispiel mit einigen Schülern für den großen Auftritt am Ende der Woche vor Lehrern und Eltern.

„Ich finde, dass die Kinder einen total positiven Eindruck machen und super mitarbeiten.“ Stolz über das gemeinsam Erarbeitete, über Lob, über Anerkennung – für viele Kinder eine wohltuende, motivierende Erfahrung. „Es ist tatsächlich so, dass man viele Kinder bei solchen Projekten nicht wiedererkennt“, sagt Konrektorin Marianne Strate-Felber, die den Haldener Standort leitet.

Strikter Verhaltensplan

Bei den Gesundheitstagen am Standort in Hohenlimburg, wo die Schüler der Sekundarstufe I unterrichtet werden, zeichneten sich bereits vor Projektbeginn bemerkenswerte Ergebnisse ab. Wer zu den zwölf Schülern gehören würde, die am Fußball-Camp in der Lenne-Arena teilnehmen, regelte ein strikter Verhaltensplan. „Wer sich den Regeln entsprechend verhält, kickt mit“, sagt Lehrer Kai Jansen. So einfach kann das sein. Das Camp wurde zur Freude der zwölf Teilnehmer von der Nachwuchsabteilung von Borussia Dortmund unterstützt. Die Schüler trainierten in kompletter BVB-Trainingsmontur in der Lenne-Arena. Ein Highlight.

Auf dem Pausenhof des Schulgeländes in der Nahmer stand während der Gesundheitswoche des Sekundarstufen-Standortes ein Kochzelt, in dem eine Schüler-Gruppe unter Anleitung echter Köche Mahlzeiten zauberte und sie Mitschülern und Lehrern servierte. Ein anderes Team gestaltete eine Schulhof-Mauer mit einem neuen Graffiti um. Darauf zu sehen: natürlich der mahnende Lehrer Hempel aus der Feder von Wilhelm Busch.

Diskussion über möglichen Umzug sorgt für Zündstoff

Eine Förderschule und zwei Standorte mit schwierigen Unterrichtsbedingungen. Bei aller Freude über die Projektwochen, die bei den Schülern tolle Erfolge im Bereich des Verhaltens und der Zusammenarbeit bewirkten, sorgt die Diskussion über einen möglichen Umzug der beiden Standorte in das Gebäude der Hauptschule Vorhalle für Zündstoff innerhalb des Wilhelm-Busch-Kollegiums. Denn: Auch das Servicezentrum Sport der Stadt Hagen hat Ansprüche an den und modernisierten Komplex am Vossacker angemeldet (wir berichteten).

Die Hauptschule Vorhalle steht vor ihrer Schließung. „Wir unterrichten hier ein schwieriges Schülerklientel unter wirklich widrigen Bedingungen“, sagt Schulleiterin Christine Wolter. Eine Qualitätsanalyse der Bezirksregierung Arnsberg habe bereits ergeben, dass der alte, viel zu verwinkelte und marode Bau in Hohenlimburg gänzlich ungeeignet für eine Förderschule sei.

Standort Halden weise erhebliche bauliche Mängel auf

Auch der Standort in Halden weise erhebliche bauliche Mängel auf. „Die Zusammenführung beider Standorte in Vorhalle wäre ein Gewinn für unsere Schule“, sagt Wolter, „und die Schülerschaft wäre garantiert kein Problem für die Vorhaller Bevölkerung.“ Die Schüler werden von privaten Busunternehmen zum Unterricht transportiert und verlassen ihr Schulgelände während der Schulzeit nicht.

Die nächsten Medien- und Gesundheitstage in Vorhalle? Das könnte man sich gut vorstellen an den beiden Teilstandorten der Wilhelm-Busch-Schule. Bis es soweit käme, kann sich die Schülerschaft an den sicht- und fühlbaren Ergebnisse der Projektwochen erfreuen. Ein Motivations-Kick für weitere Herausforderungen.

 

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