Witzig, charmant - einfach verzaubernd

Schneewittchen und die 7 Zwerge von Werner Hahn (Text) und Andres Reukauf (Musik) Premiere am 28. November 2010 Constanze Fischbach (Königin Richilde)
Schneewittchen und die 7 Zwerge von Werner Hahn (Text) und Andres Reukauf (Musik) Premiere am 28. November 2010 Constanze Fischbach (Königin Richilde)
Foto: WR

Hagen.. Das Leben kann so simpel sein. Wenigstens im Theater funktioniert die Einteilung der Welt in Gut und Böse. Das versteht jedes Kind. Aber auch für Erwachsene steckt viel drin in der diesjährigen Weihnachtsproduktion der Hagener Bühne. „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ ist ein durch und durch familienkompatibles Stück – witzig, charmant und verzaubernd.

Die Bühne kommt mit zwei Bildern aus, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite des Drehtellers entfaltet sich die Welt der Zwerge. Dieser muntere Trupp mit den sagenhaft mystischen Namen darf sich auf einem Baumhaus tummeln, um das das frische Grün des Waldes wuchert. Bühnenausstatter Jan Bammes hat eine opulente Idylle geschaffen. In sie kann sich Schneewittchen, deren Reinheit Annika Firley mit ihrer Stimme hörbar macht, vor der bösen Königin flüchten.

Die rackert sich als glitzernde Barbiepuppe ausstaffiert in ihrem Fitnessraum ab. Constanze Fischbach schmeichelt im goldenen Aerobicdress ebenso dem Auge wie als schwarze Witwe mit Rollator, mit dem sie ins Zwergenreich eindringt.

Warum das Schloss zur schrillen Muckibude umgebaut ist, begreifen kleinere Zuschauer vielleicht nicht sofort. Aber das Schöne am Weihnachtsmärchen ist ja, das man nicht mucksmäuschenstill auf seinem Sitz verharren muss. Einmal im Jahr ist die Grenze zwischen Bühne und Saal fließend. Reden ist erlaubt -- und Singen sogar erwünscht.

Schönheit ist
nicht alles

Das fordert die Musik von Andres Reukauf geradezu heraus. Spätestens beim dritten Mal klatscht und summt man den lustigen Zwergenmarsch mit. Überhaupt sind die sieben Waldburschen sehr liebenswert angelegt. Lustig und gleichzeitig empathisch, ohne anbiedernde Niedlichkeit umschwärmen sie das drangsalierte Schneewittchen. Besonders Bettina Kenney, die in der Vorjahresproduktion den geschmeidigen gestiefelten Kater spielte, wirbelt trotz einer Verletzung kraftvoll über die Bühne.

Was wäre ein Märchen ohne die Moral von der Geschicht’? Die vermittelt Verfasser Werner Hahn ohne erhobenen pädagogischen Zeigefinger. Da lernt man, dass Schönheit nicht alles ist. Beim Anblick eines Pickels hysterisch werden? Ist doch nicht nötig. Das kann man getrost der wütend um sich schlagenden Königin überlassen. Am Ende geht sie im wahrsten Sinne des Wortes an ihrer Selbstverliebtheit unter. Die Szene kommt dankenswerter Weise ohne die in den vergangenen Jahren übliche Knallerei aus.

Während sich die Darsteller unter der Regie von Norbert Hilchenbach durch das sehr modern interpretierte Stück spielen, singen und tanzen, ist Schneewittchen erwachsen geworden und erkennt, dass selbst ein Märchenprinz warten kann. So muss der blondgelockte Gottfried, der Traum aller Schwiegermütter, sich gedulden. Tillmann Schnieders darf nicht nur in die Rolle des schneeweiß gekleideten Prinzen schlüpfen, sondern auch den königlichen Fitnesstrainer mit ,Vokuhila’-Frisur mimen. Herrlich.

 
 

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