WAZ-Reporter schlüpft bei Hagener Gesundheitstag in Altersanzug

Florian Valentin testete den Altersanzug, Jessica Zeuge half ihm hinein.
Florian Valentin testete den Altersanzug, Jessica Zeuge half ihm hinein.
Foto: Michael Kleinrensing
Gewichte an Armen und Beinen. Eine Brille, die die Weitsicht nimmt. Kopfhörer, die den Schall dämmen. Bei den siebten Hagener Gesundheitstagen in der SIHK machte unser WAZ-Reporter den Selbstversuch und schlüpfte in einen Altersanzug – ein Kleidungsstück, das hohes Alter simulieren soll.

Hagen-Mitte. Mit Eile gehe ich zum Goldener-Ring-Stand, einem der vielen Aussteller bei den siebten Hagener Gesundheitstagen in der SIHK. Der Kollege mit der Kamera wartet schon auf mich. Ich will den „Altersanzug“ anprobieren – ein Kleidungsstück, das hohes Alter simulieren soll. Nachdem ich alle teile übergestreift habe, wirkt die Welt tatsächlich ferner. Die Brille nimmt mir die Weitsicht und schränkt meinen Sichtradius ein, Kopfhörer dämmen den Schall. Einerseits erfreulich, denn zur Abwechslung ein wenig Ruhe zu haben ist ja mal ganz schön. Wenn ich aber bedenke, wie sehr ich mich im Alltag auf mein Gehör verlasse, zum Beispiel vor dem Überqueren einer Straße, ist jedes Wohlgefallen verflogen. . .

Dann will ich eine Runde durch die Ausstellungshalle drehen. Die eingeschränkte Sicht macht mir richtig zu schaffen, die selbstauferlegte Aufgabe, niemanden anzurempeln, erweist sich als unmöglich. Ich errege neugierige Blicke – ob wegen meiner Aufmachung oder wegen meiner Unkoordiniertheit, weiß ich nicht zu sagen. Sicher ist nur, dass ich mich ziemlich hilflos fühle. Schnallen behindern meine Ellbogen und Knie, außerdem hängen an Armen, Beinen, Brust und Rücken Gewichte. Ich beginne zu schwitzen. Die Strecke war höchstens 50 Meter lang, zurück bleibt ein ungutes Gefühl. Der Selbsttest sollte mir zeigen, wie ich (21) mich in 40 Jahren fühle. Ich kann nur sagen, ich freue mich nicht auf mein Rentenalter.

Zufriedene Besucher

Doch der Gesundheitstag hatte glücklicherweise nicht nur den Altersanzug zu bieten. Die Mitmach-Aktionen (kostenlose Sehtests, Hörtests usw.) waren so beliebt, dass sich vor einigen Ständen schlangen bildeten. Auch die verschiedenen Hospizdienste erhielten Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen. So konnten die ehrenamtlich arbeitenden Damen am Stand des Kinderhospizes „Sternentreppe“ die Augen vieler Besucher auf sich ziehen und vielleicht auch die ein oder andere Spende für ihre Organisation gewinnen. Mit einer ähnlichen Strategie machte das stationäre Hospiz auf sich aufmerksam.

Auch die Kontaktstelle der Selbsthilfe war vertreten – mit Flyern für eine erstaunliche Anzahl an Leiden. Die Dame am Stand warb freundlich, aber nicht aggressiv für ihre Organisation. Den ersten Schritt in der Selbsthilfe müssen die Betroffenen selbst machen, dann werden sie von der jeweiligen Gruppe unterstützt.

Die Mehrzahl der Besucher zeigte sich angetan von den Angeboten der Gesundheitsmesse. Ingrid Schmidt (74) hatte zwar einen Vortrag verpasst, war aber dennoch zufrieden: „Ich war jetzt auch schon mehrere Male dabei“, sagte sie. Auch Dirk Gohmann (73) fand die Angebote interessant. „Ich war schon bei einem Vortrag. Jetzt gucken wir uns auch die anderen Sachen hier an.“ Er freute sich besonders, einige Ärzte aus dem Allgemeinen Krankenhaus wieder zu sehen, mit denen er schon Kontakt hatte. Auch Christiane Ziel, eine der Mitverantwortlichen des Gesundheitstages, war zufrieden mit der Messe: „Wir wünschen uns nur mehr Teilnahme von jungen Leuten.“

 
 

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