Waschtag für die weißen Westen

Der Geschäftsführer der Hagen-Agentur wird gerade zwischen den Interessensmühlen von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung zermahlen. Gerhard Schießer zum Bauernopfer zu machen und letztlich als Alleinschuldigen zu filetieren, um gleichzeitig den Aufsichtsführenden die Weste wieder weiß zu waschen, wirkt schon arg bequem und auch ein wenig einfältig.

Natürlich hätte Schießer am Ende als Geschäftsführer der Stadt-Tochter qua Amt die Notbremse ziehen müssen, als die gebündelte Spitze der Stadt-Mutter ihm einen Beratervertrag unter die Jacke jubelte, den er nie unterzeichnen durfte. Formal ein übler Fauxpas, der angesichts der hierarchischen Konstellation in diesen Männergesprächen menschlich jedoch allzu nachvollziehbar erscheint. Niemand kann in der Rückschau ernstlich erwarten, dass Schießer – damals gerade einmal zwei Wochen in der Alleinverantwortung – gegen jenen Oberbürgermeister und Aufsichtsratschef in den Widerstand zieht, der ihn soeben erst in den Geschäftsführersessel gehievt hat.

Am Ende bleibt bei den Hagenern kleben, dass für den Hauptverantwortlichen bei der Hagen-Agentur, gegen den ja parallel auch noch ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren läuft, die Schuhe des Amtes zu groß ausfallen. Mal ganz davon abgesehen, dass Integrität für den Geschäftsführer einer Gesellschaft, die sich vorzugsweise um Tourismus, Wirtschaftsakquise und externes Stadtmarketing kümmern soll, als das wertvollste Kapital gilt.

 
 

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