Warum Prince Charles den Dirigenten Frank Beermann einlädt

Monika Willer
Der Dirigent Frank Beermann
Der Dirigent Frank Beermann
Foto: privat
  • Hagener Dirigent Frank Beermann war im Buckingham Palast
  • Im Interview spricht er über Integration von Flüchtlingen und Theater-Sparpolitik
  • Jüngst gewann er einen Echo Klassik für seine Einspielung von Giacomo Meyerbeers Oper „Vasco da Gama“

Hagen/Chemnitz. Der Hagener Dirigent Frank Beermann ist ein international erfolgreicher Maestro. Jüngst gab es einen Echo Klassik für seine CD-Einspielung von Giacomo Meyerbeers Oper „Vasco da Gama“. Und jetzt hat sogar Prinz Charles den 50-jährigen Noch-Generalmusikdirektor der Oper Chemnitz in den Buckingham Palast in London eingeladen.

Wie war es bei der Königlichen Hoheit?

Frank Beermann: Der Buckingham Palast ist sehr beeindruckend. Man kommt da ja normalerweise nicht rein. Es gab ein Konzert im Thronsaal und danach den Empfang. Es war einfach großartig zu sehen, was da an Gemälden an der Wand hängt. Und es war natürlich irrsinnig schön, die englischen Freunde zu treffen.

Warum hat Prinz Charles Sie eingeladen?

Beermann: Der Empfang erfolgte anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums des Three Choirs Festivals der Kathedralstädte Hereford, Gloucester und Worcester. Mit dem Chor des Festivals habe ich verschiedene Programme mit englischer Musik gestaltet, zum Beispiel beim Klassik-Sommer Hamm, wo wir Edward Elgars „Dream of Gerontius“ im Sommer aufgeführt haben. Für 2017 und 2018 sind weitere gemeinsame Projekte in England geplant. Ein Großteil der englischen Chormusik seit 300 Jahren ist für dieses Festival geschrieben worden.

Welche Stücke singt man denn vor einem Prinzen?

Beermann: Das war ein Queerbeet-Programm unter anderem mit Händels „Hallelujah“ und Werken von Hubert Parry und Ralph Vaughan Williams.

Gibt es ein Foto?

Beermann: Leider nicht, es herrscht totales Fotoverbot. Man musste sogar sein Handy abgeben.

Sie haben Ihren Vertrag als Generalmusikdirektor der Oper Chemnitz nicht verlängert. Was machen Sie ab der kommenden Spielzeit?

Beermann: Ab Sommer arbeite ich wieder freiberuflich. Ich habe für mich gemerkt, dass ich mich wieder mehr mit der Musik beschäftigen möchte und weniger mit der Institution. Die neun Jahre in Chemnitz waren eine schöne Zeit, aber es macht auch einen Wahnsinnsspaß, sich wieder voll auf die Musik zu konzentrieren. So kann ich neben meinem Schwerpunkt auf der Musik der Spätromantik und des 20. sowie 21. Jahrhunderts jetzt zum Beispiel mit großer Freude wieder im Bereich Historische Aufführungspraxis arbeiten.

Können Sie ein wenig über Ihre zukünftige Arbeit verraten?

Beermann: Das werden sehr internationale Aufgaben. Neben den Projekten in England werde ich in Lausanne eine Opernproduktion leiten und mit dem spanischen Orchester auf Gran Canaria arbeiten. Innerhalb Deutschlands werde ich die Nordwestdeutsche Philharmonie dirigieren, das ist eine lange und schöne Beziehung. Und wir führen Wagners „Ring“ in Minden fort. Natürlich setze ich mich auch weiterhin als künstlerischer Leiter für den Klassik-Sommer Hamm ein. Dort planen wir für 2017 ein großes integratives Chorprojekt, bei dem Flüchtlinge und Einwanderer nicht nur mitsingen, sondern ihnen dabei auch Inhalte über unsere Kultur vermittelt werden. Das wollen wir dann jährlich fortsetzen. Kultur wird als Integrationsfaktor immer wichtiger.

In Ihrer Heimatstadt Hagen wird einmal mehr über die Finanzierung des Theaters diskutiert. Wie erleben Sie diese Sparpolitik?

Beermann: Das Theater Hagen ist so wichtig für die Stadt. Aber man darf nicht glauben, mit immer weniger Geld das gleiche Angebot halten zu können. Man sollte sich daher dringend Gedanken machen, ob es nicht neue, innovative Wege gibt, zum Beispiel, indem man neue Mittel auftut. Es gibt so viele zusätzliche Finanzquellen für Projekte, die sich mit Nachwuchsförderung, Integration, Kulturvermittlung beschäftigen. Das sind EU- und transatlantische Töpfe. Es wäre superspannend, bei einem Haus wie Hagen, das so viele hervorragende Möglichkeiten hat, diese Ressourcen zu nutzen. Aber da muss man auch vielleicht den Mut haben, sich auf die Kernbereiche zu konzentrieren und dann zu investieren, damit man das, was übrig bleibt, auf vernünftige Füße stellen kann.