Warenkorb in Hagen stellt die Ausgabe an Bedürftige um

Im Warenkorb der Caritas in Boele können Bedürftige bald nur noch alle 14 Tage einkaufen. So will die Caritas mehr Menschen den Zugang zu günstigen Lebensmitteln ermöglichen.
Im Warenkorb der Caritas in Boele können Bedürftige bald nur noch alle 14 Tage einkaufen. So will die Caritas mehr Menschen den Zugang zu günstigen Lebensmitteln ermöglichen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • 500 Menschen warten auf erste Einkaufsmöglichkeit
  • Ärmste der Armen müssen jetzt teilen
  • Umstellung erfolgt Mitte November

Hagen.. Auf rund 500 Einträge ist die Warteliste für den Warenkorb der Caritas angewachsen. Dahinter stecken Menschen und Familien, die aufgrund ihrer finanziellen Situation dringend auf Unterstützung durch die Tafel angewiesen sind, die aber bislang nicht versorgt werden können. Um eine gerechtere Verteilung der gespendeten Lebensmittel zu gewährleisten, wird der Sozialverband die Ausgabe ab Mitte November umstellen. Künftig werden Bedürftige nur noch alle 14 Tage und nicht wie bislang wöchentlich bedacht. Darüber sprach unsere Zeitung mit Julia Schröder.

Sind die Umstellung und die Zunahme an Kunden Hagener Phänomene?

Julia Schröder: Viele Tafeln befinden sich in einer ganz ähnlichen Situation. Allerdings gehen sie unterschiedlich damit um. In Dortmund beispielsweise werden die Öffnungstage erhöht. Das ist bei insgesamt sieben Ausgabestellen im Vergleich zu Hagen mit zweien allerdings auch wesentlich einfacher. Uns fehlt es für so einen Schritt an Räumlichkeiten, an Spenden und auch an Ehrenamtlichen. Deshalb haben wir für uns anders entschieden.

Ist denn so die Versorgung der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, gewährleistet?

Schröder: Wir halten den Schritt zumindest für vertretbar. Es geht ja niemand mit leeren Taschen aus dem Laden. Wir setzen aber bewusst auf das Prinzip des Teilens. Das passt zu unserem Grundverständnis. Teilen bedeutet aber auch: Ich muss etwas abgeben. Und – das liegt in der Natur der Sache – hinterher habe ich weniger.

Wie sind denn die Reaktionen der Betroffenen?

Schröder: Bislang gibt es keinen Aufschrei. Wichtig ist für uns ein transparentes Vorgehen. Deshalb haben wir schon begonnen, unsere Kunden zu informieren. Wir wollen eine möglichst gleichmäßige Verteilung an alle Bedürftigen. Wir hoffen, dass es uns so gelingen kann, die Warteliste auf null zu reduzieren.

Und wenn das nicht gelingt?

Schröder: Im Moment haben wir täglich neue Anfragen. Alle sechs Monate werden die Berechtigungen derjenigen, die bereits den Warenkorb nutzen, überprüft. Allerdings verlängert sie sich dann künftig nicht automatisch, wenn sich noch Menschen auf der Warteliste befinden. Diejenigen, die weiterhin im Warenkorb einkaufen dürfen, rücken dann zunächst nach unten auf der Warteliste. So können wir gewährleisten, dass jeder die Perspektive hat, auch berücksichtigt zu werden.

Müssen wir uns mit zunehmender Armut abfinden?

Schröder: Die Idee des Warenkorbs ist es, einen Einklang herzustellen. Auf der einen Seite gibt es Lebensmittel, die weggeschmissen werden. Auf der anderen Seite Menschen in Not. Das bedeutet aber nicht, dass wir als Caritas die wachsende Armut akzeptieren. Wir beraten und betreuen die Kunden ja auch über die Tafel hinaus. Daneben muss man beispielsweise über die zu geringen Regelsätze diskutieren. Die reichen für ein Leben oberhalb des Existenzminimums nicht aus. Das ist aber eine Debatte, die wir auf politischer Ebene immer wieder anstoßen müssen.

Wo konkret liegen die Probleme?

Schröder: Nehmen wir mal das Beispiel Strom. Das System ist so angelegt, dass eigentlich jedem klar ist, dass das vorgesehene Geld nicht reichen kann. Kommen dann plötzliche Nachzahlungen auf die Kunden zu, so kann das nicht funktionieren. Die Menschen, die zu uns in den Warenkorb kommen, sind nicht in der Lage, Rücklagen zu bilden. Ein anderes Beispiel ist das Armutsrisiko von Familien. Wir kennen viele Paare, bei denen Mann und Frau voll arbeiten und die mit ihren Einkünften gerade so auskommen. Bekommen sie Kinder, so müssen sie plötzlich aufstockende Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Das ist nicht gerecht.

Welche Rolle spielen Flüchtlinge und Zuwanderung?

Schröder: Das sind Faktoren, die quasi zusätzlich oben drauf kommen. Aber Flucht und Zuwanderung sind nicht immer der Auslöser für Armut. Auch bei uns ist das nicht das Kernthema. Und Zuwanderung ist bestimmt nicht der Grund dafür, dass wir unser System umstellen. Wir beschäftigen uns bereits seit langem mit dieser Umstellung. Aber dies benötigte doch eben einen Vorlauf.

 
 

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