Von Pubertät, Politik und Russendisko

Hagen-Mitte..  Er ist Party-Macher, DJ und Autor in einer Person. Er sieht ein wenig aus wie George Clooney, nur irgendwie „rotziger“, und er ist einen Kopf kleiner als der smarte Schauspieler. Er ist ein deutscher Schriftsteller mit russischen Wurzeln. Er heißt Wladimir Kaminer, ist 47 Jahre alt und zweifelsohne der Top-Star der ersten Hagener Literaturtage.

Helle Hose, dunkles Polo-Shirt, und eine lose Zettelsammlung im Leinenbeutel: Wladimir Kaminer muss sich für eine Lesung nicht besonders vorbereiten – er ist Profi vor Publikum wie auch im Frage-Antwort-Spiel im Vorfeld seiner Lesung am Dienstagabend auf der Springe. „Russendisko“ – natürlich, wer mit oder über Wladimir Kaminer spricht, denkt fast zwangsläufig an „Russendisko“. Dabei hat der in Moskau Geborene den weltbekannten Erzählband vor 16 Jahren her­ausgebracht – die Gesamtauflage liegt mittlerweile bei weit über 1,3 Millionen Exemplaren.

„Russendisko“, so heißt aber auch das Party-Konzept, das Kaminer nicht nur in Berlin durchführt, sondern auf der halben Welt. Alte und neue russische Popmusik gemixt mit Underground-Klängen – das kommt an. „Ja, leider immer noch. Ich kann die Lieder nicht mehr hören. Aber die Leute lieben die Musik, obwohl sie mittlerweile auf Stühlen sitzen. Klar, sie sind älter geworden, genau wie ich. Nach zwei, drei Tagen Partymachen bin ich platt.“

„Plattmachen lassen“ von den eigenen Kindern? Nein, das ist nicht Kaminers Ding, und das verdeutlicht er den 130 Zuhörern in der Stadtbücherei amüsant und kurzweilig. „Coole Eltern leben länger“ heißt sein aktuelles Buch. Mit den „Geschichten vom Erwachsenwerden“ tourt er durchs Land, erzählt von seiner Tochter Nicole (18), die gern über Dinge spricht, von denen sie keine Ahnung hat, von seinem Sohn Sebastian (16), den vor Lateinstunden häufig der Ein-Tages-Kopfschmerz packt, von seiner patenten russischen Frau Olga, mit der er seit Jahren in Berlin am Prenzlauer Berg lebt. Kaminer geht mit Pubertätsalltäglichkeiten entspannt um, wettert gegen die Politik, die am realen Leben vorbei geht, appelliert gegen Erziehungsgewalt, die eh nichts bringt und gesteht „Ich bin kein cooler Vater“.

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