Von Kunstrasenfeldern bis zur Trampolinhalle

Kunstrasenplätze wie hier an der Haßleyer Straße sind für Fußballvereine eine existenzielle Frage.
Kunstrasenplätze wie hier an der Haßleyer Straße sind für Fußballvereine eine existenzielle Frage.
Foto: WP
  • Die Wünsche der Hagener Sportler sind vielfältig
  • Von der Großsport- bis zur Skaterhalle ist alles dabei
  • Vor allem Nicht-Vereinsmitglieder fordern Alternativangebote.

Hagen. Was braucht der Hagener Sport? „Weitere Kunstrasenfelder“, finden die Fußballer, die zwar nicht hochklassig kicken, aber zahlenmäßig den Vereinssport anführen. „Eine Basketball-Halle mit mindestens 5000 Plätzen“, das steht für die Fans von Bundesligist Phoenix Hagen fest. „Eine Trampolinhalle“, schrieb Ilyas Zambrowski per Facebook. Drei Beispiele, die belegen: Den Hagener Sport gibt es nicht. Wir reden von einem Bereich mit vielen Facetten, in dem sich organisierte und nicht in Sportklubs organisierte Menschen betätigen.

Es gibt Breitensport und Spitzensport. Wobei die Grenzen fließend sind und subjektiv anders gezogen werden. „Wir brauchen beides“, sagt Hans-Werner Wischnewski, Leiter des Servicezentrums Sport, „sowohl akzeptable Anlagen für den Breitensport als auch den Leistungssport. Von ihm profitiert die Stadt in der Innen- und Außenwirkung.“

Substanzerhalt vor Neubau

Klar ist: Eine neue Halle mit 5000 Plätzen oder mehr wird die Stadt nie bauen können. „Aber sie könnte unterstützend tätig werden“, so Wischnewski. Beispielsweise bei der Grundstückssuche oder durch planungsrechtliche Begleitung.

Auf anderer Ebene ist konkretes Tun gefragt. Aktuell ist die Sportverwaltung damit beauftragt, eine Bestandsaufnahme aller Sportanlagen vorzunehmen und eine Analyse des Sanierungs-/Modernisierungsbedarfs zu erstellen. Die erkannten Defizite sollen dann gemäß einer Prioritätenliste abgearbeitet werden. Der Erhalt der vorhandenen Substanz kostet Geld, an Neubaumaßnahmen ist deshalb nur zu denken, falls an anderer Stelle Mittel frei werden. Beispielsweise wenn geplante Hallensanierungsmaßnahmen über das neueste Investitionsprogramm des Bundes finanziert werden können.

Klutert-Platz steht hinten an

In diesem Fall soll - mindestens - ein weiteres Kunstrasenfeld entstehen. Da es im Hagener Süden noch kein städtisches Kunstgrün gibt, pocht Dahl auf die Einhaltung der einst erstellten Prioritätenliste, nach der der Vorort im Hagener Süden dran wäre. Ginge es nach der Zahl der Nutzer, hätte Helfe die besten Karten. Der Klutert-Platz, bei unserem Aufruf via Facebook aus dem Umfeld von Fortuna Hagen ins Spiel gebracht, steht hinten an.

Aber es gibt in Hagen nicht nur Fußballer, Basketballer oder Handballer, die in diesem Jahr in der Spitze besonders erfolgreich waren (Aufstiege von VfL Eintracht, TuS Volmetal, HSG Hohenlimburg). Entgegen des einstmals erfundenen Slogans „Im Verein ist Sport am schönsten“ sind auch viele vereinslose Bürger in der Volmestadt und ihrem Umland aktiv. Ob als Jogger, Radfahrer, Skater, Parkoursportler und dergleichen.

Nicht nur normgerechte Anlagen

„Auch für diese Gruppe muss man Möglichkeiten schaffen, sich zu betätigen, wir dürfen unsere Aktivitäten nicht nur auf normgerechte Anlagen beschränken“, sagt Hans-Werner Wischnewski. Dazu müsse man in Einzelfall vielleicht gar nicht so viel Geld in die Hand nehmen.

Apropos Geld: Dass es Ende 2014 gelang, die eigentlich vom Rat der Stadt schon beschlossene Energie- und Bewirtschaftungsumlage für Sportflächen abzuwenden, war aus Sicht des Hagener Sports ein Erfolg. Wie anhaltend er ist, bleibt angesichts chronisch leerer kommunaler Kassen abzuwarten.

Dass durch den „Pakt mit dem Sport“ seit 2010 mehr als eine halbe Million Euro eingespart wurde, beispielsweise durch Übernahme von Sportstätten in die Schlüsselgewalt der Vereine, ist bekannt. Man muss es aber immer mal wieder erwähnen. Damit es nicht vergessen wird.

Ein Sportstätten-Entwicklungsplan ist zwingend erforderlich

Reinhard Flormann ist Stadtsportbund-Vorsitzender:

"Das Sport- und das Sportstättenangebot in der Stadt Hagen sind nicht so schlecht, wie es in vielen Stellungnahmen gemacht wird. Natürlich sind einige Sportanlagen in die Jahre gekommen und bedürfen teilweise doch mehr als nur einer Grundsanierung.

Entsprechende Initiativen gehen in die - richtige - Richtung, das Hagener Sport-Angebot einschließlich aller Sportstätten detailliert aufzunehmen und bei nachgewiesenem Bedarf hier dann tätig zu werden. Dabei sind die vorhandenen Anlagen eindeutig in der Priorität nach vorne zu setzen.

Hagen braucht einen Sportstättenentwicklungsplan als verbindliches Rahmenwerk für Politik, Verwaltung und Vereine. Die demographische Entwicklung, jetzt noch ergänzt durch die Flüchtlingsproblematik, fordert einen solchen Plan zwingend heraus.

Dabei sind auch neue und bisher unbekannte Wege einzuschlagen. Warum sollen nicht auch heute noch sportferne Mitbürger von der so wichtigen Notwendigkeit einer sportlichen Aktivität überzeugt werden? Deshalb könnten doch in einem solchen Plan auch Sportstätten berücksichtigt werden, die den Menschen auch ohne derzeitige Vereinszugehörigkeit zum Gelegenheitssport dienen."

Warum nicht mal Parcours anbieten oder Outdoor-Yoga?

Maik Schumacher ist Klubchef der Zee Aylienz-Mountainbiker:

"Neue Sportarten entstehen und die Möglichkeiten, sich körperlich fit zu halten, sind schon lange nicht mehr auf die klassischen Vereinsangebote in raren städtischen Hallen beschränkt. Dem können zum einen die Vereine Rechnung tragen, indem sie durch entsprechende Kursangebote oder neue Vereinssparten Mitglieder an sich binden. Warum nicht mal „Parcours“ anbieten oder „Outdoor-Yoga“?

Auch wenn einige den Kopf schütteln, es würde seine Freunde finden! Die Stadt Hagen kann dem Rechnung tragen, indem öffentliche Sportgelegenheiten für vereinsungebundenen Sport geschaffen und gepflegt werden. Beispiele gab und gibt es: Nordic Walking-, Wander-, Mountainbikestrecken und Skateplätze.

Der Wald- und Naturreichtum unserer Stadt eignet sich hervorragend für Outdoorsport. Aber Mountainbiker lockt ein zwei bis drei Meter breiter Forstweg nicht mehr vom Sofa. Ähnlich wie bei Premiumwanderwegen wünscht sich der Mountainbiker schmale Pfade und Abwechslung. Viele Kommunen realisieren - durch Fördermittel unterstützt - sogenannte „Flow Trails“. Investitionen in Sportgelegenheiten wie diese können sich zudem auch touristisch lohnen. Für innovative Projekte kann die Stadt externe Fördermittel akquirieren."

 
 

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