Vom Montmartre ins Kunstquartier - Toulouse-Lautrec in Hagen

Monika Willer
Das Emil-Schumacher-Museum in Hagen wird fünf Jahre alt und feiert diesen Geburtstag mit einer großen Ausstellung von Henri de Toulouse-Lautrec. Der Künstler ist berühmt für seine farbenfrohen Plakate von Montmartre und dem Moulin Rouge.

Hagen. Montmartre und Moulin Rouge: Damit verbindet man bis heute die farbenfrohen Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901). Der Aufzählung könnte man ebenfalls die Achse Paris-Hagen hinzufügen. Denn bereits 1909 zeigte das Hagener Museum Folkwang eine Ausstellung mit Arbeiten des berühmten Künstlers. Zum fünften Geburtstag des Emil-Schumacher-Museums ist nun ab dem 31. August eine umfangreiche Werkschau Toulouse-Lautrecs in Hagen zu sehen.

Erstmals in Westfalen

Dem Sammler Otto Gerstenberg war schon früh die umfassendste Zusammenstellung von originalgraphischen Werken Toulouse-Lautrecs geglückt. Diese Sammlung konnte Dr. Ulrich Schumacher für Hagen gewinnen – nach Stationen in der Neuen Nationalgalerie Berlin und der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München ist das Schumacher-Museum der erste Ort in Westfalen, in dem die Werke präsentiert werden. „Das ist etwas ganz Besonderes“, freut sich Ulrich Schumacher, der die künstlerischen Bezüge zwischen Toulouse-Lautrec und Emil Schumacher erläutert: Beide waren Avantgarde-Maler, beide revolutionierten die grafischen Techniken, „und Toulouse-Lautrec war auch ein ganz spontaner Maler, im Grunde genommen war er der erste Action-Painter“.

„Durch seine persönliche Formensprache hat er die Werbung revolutioniert“, unterstreicht Museumsleiter Rouven Lotz. Denn die heute so bekannten Motive von Tänzerinnen im Moulin Rouge, Sängerinnen, Schauspielern, Bohemiens und anderen Größen der Pariser Gesellschaft sind als Werbeplakate entstanden. Lotz: „Er lebte in einer Zeit auf dem Montmartre, als der als Künstlerdorf eine immer größere Rolle zu spielen begann. Und das Moulin Rouge wird überhaupt erst durch Plakate von Toulouse-Lautrec bekannt.“

Kritik an Schließungs-Plänen

Bis heute prägt der Spross eines Adelsgeschlechtes, der wegen seiner Kleinwüchsigkeit am Reiten und Jagen seiner Gesellschaftsschicht nicht teilnehmen konnte und der seinen Eltern ein Kunststudium abtrotzte, unser Bild von der Pariser „Belle Epoque“. Der Hagener Kunstpionier Karl-Ernst Osthaus lernte die Kunst Toulouse-Lautrecs in Brüssel in der Villa Henry van de Veldes kennen.

Als Wermutstropfen trübt die Vorfreude indes, dass die Stadt Hagen zwecks Kosteneinsparung neben dem Montag das Osthaus-Museum und das von einer Stiftung getragene Emil-Schumacher-Museum künftig auch am Dienstag schließen will. Rouven Lotz kritisiert die Pläne. „Genau in dem Moment, wo wir einen solch prominenten Künstler nach Hagen holen, erhalten wir einen so herben Rückschlag für sämtliche Bemühungen, das Museum attraktiver zu machen.“

Die Ausstellung „Henri de Toulouse-Lautrec: Der Meister der Linie im Emil-Schumacher-Museum“ wird vom 31. August bis 25. Januar in Hagen zu sehen sein. www.esmh.de