Vier Tubisten tanzen Tango und Tarantella

Das Melton Tuba Quartett begeistert bei seinen Auftritten mit den Hagener Philharmonikern in Hagen und Arnsberg das Publikum.
Das Melton Tuba Quartett begeistert bei seinen Auftritten mit den Hagener Philharmonikern in Hagen und Arnsberg das Publikum.
Foto: Linus Lohoff
Vier Tuben auf einen Streich - und das im Sinfoniekonzert. Das Philharmonische Orchester Hagen und das Melton Tuba Quartett werden vom Publikum für ein außergewöhnliches Konzertereignis gefeiert.

Hagen/Arnsberg.. Vier Tubisten mit sieben Tuben sind im Sinfoniekonzert eine Sensation – erst recht, wenn sie als Solisten auftreten. Das Melton Tuba Quartett begeistert bei seinen Auftritten mit den Hagener Philharmonikern in Hagen und Arnsberg das Publikum – und zwar nicht nur wegen der ungewöhnlichen Besetzung, sondern weil Jörg Wachsmuth, Hartmut Müller, Heiko Triebener und Ulrich Haas vom ersten Takt an richtig beseelt Musik machen.

Welterstes Tuben-Concerto

Der amerikanische Komponist John D. Stevens hat für das Quartett das erste Concerto für vier Tuben und Orchester der Musikgeschichte geschrieben. Atemberaubende Läufe wechseln dabei mit samtweich geblasenen Melodien, das Scherzo entpuppt sich als Hexentanz, während die Ballade ein zum Weinen schönes Liebeslied ist, das die Tuben in zärtliche Dialoge mit den Streichern bringt. Zum Finale tanzen vier Tuben dann Tango im Tarantella-Modus, das scheint regelrecht unmöglich, erweist sich aber als virtuoses Zauberkunststück.

Das Publikum lernt viel über das so behäbig aussehende Instrument, das doch im Viererpack flink und anmutig, golden und strahlend klingt. Die vier Tubisten freuen sich über den Jubel der Zuhörer und den Beifall der Orchesterkollegen so sehr, dass sie gleich zwei Zugaben auspacken: Das Allegro aus der Wilhelm-Tell-Ouvertüre von Rossini mit seinem lustigen Falsett-Schluss und Frank Sinatras swingendes „Wonderful World“.

GMD Florian Ludwig hat um die Tuben herum ein amerikanisches Programm zusammengestellt. Aaron Coplands „Appalachian Spring“ hätte man sich besser geschenkt, das Stück wirkt endlos, wenn es nicht gut gespielt wird.

Ganz anders dagegen Antonin Dvoraks 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“: Florian Ludwig findet in diesem populären Werk eine faszinierende Balance zwischen kammermusikalischer Lyrik und rhythmischer Energie. Es ist einfach mitreißend, wie der GMD mit kleinen dynamischen Kontrasten zum Auftakt des ersten Satz ungeheure Spannung aufbaut - und wie er später den Schluss dieses Satzes mit dem Herzensfeuer des Spirituals belebt. Im Scherzo werden mit beschwingtem Puls die Tanzvorbilder herausgekitzelt, bevor das Finale ebenso entfesselt wie fröhlich in Fahrt kommt.

Wunderschönes Englischhorn-Solo

Florian Ludwig hat ein besonderes Gespür für die Dramaturgie langsamer Sätze, das zeigt sich im Largo. Almut Jungmann bläst das große Englischhorn-Solo mit ausgesuchter Delikatesse. Daraus entwickelt sich eine ergreifende Klage in feinsten Pianofarben. Das Orchester spielt blitzblank, vor allem die Holzbläser bringen die Partitur zum Leuchten und zum Atmen.

Die anschließenden Bravo-Rufe feiern nicht nur ein ungewöhnliches Konzert-Erlebnis, sondern auch die Kooperation der Hagener Philharmoniker mit dem Brass-Festival Sauerland-Herbst, die solche Begegnungen mit Blechbläsern der Spitzenklasse erst möglich macht.

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