Verladebahnhof der Cargobeamer AG am Hagener Hengsteysee bleibt umstritten

Eine Simulation der Cargobeamer AG zeigt, wie das geplante Terminal am Hagener Hengsteysee sich einmal präsentieren soll.
Eine Simulation der Cargobeamer AG zeigt, wie das geplante Terminal am Hagener Hengsteysee sich einmal präsentieren soll.
Foto: WR
Die Cargobeamer AG hat bei der Bezirksregierung Arnsberg ein Planfeststellungsverfahren zur Errichtung eines Güterumschlagterminals am Hengsteysee beantragt. Das Unternehmen will bereits im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen und 2014 die ersten Züge verladen. Wenn der Regierungspräsident dem Antrag zustimmt und das Verfahren einleitet, wäre die Stadt Hagen an der Entscheidungsfindung nur am Rande beteiligt.

Hagen-Hengstey.. In der von zahlreichen Bürgern besuchten Sitzung der Bezirksvertretung Nord herrschte am Mittwoch eine Mischung aus Verblüffung und Unmut über das Vorgehen der Cargobeamer AG. „Hier sollen die Rechte von Bürgern und Politikern ausgehebelt werden“, erregte sich CDU-Fraktionschef Hennemann. Auch Baudezernent Thomas Grothe erklärte gestern, die Kompetenz der Stadt dürfe nicht formalrechtlich ausgehöhlt werden.

Vor allem in Bathey formiert sich inzwischen der Widerstand gegen den Cargobeamer. Anwohnerin Viola Müller verteilte am Wochenende ein Flugblatt gegen das Projekt. Die Menschen befürchten, dass das beliebte Naherholungsgebiet am Hengsteysee unter dem Terminal leiden und der Lkw-Verkehr auf der Dortmunder und den angrenzenden Straßen exorbitant zunehmen könnte. „Die Cargobeamer AG soll mit offenen Karten spielen und uns sagen, wie hoch die Belastung in der Spitze sein kann“, forderte Frau Müller.

Hunderte von Lastwagen sollen auf Züge verladen werden

Die Technologie der Firma Cargobeamer erlaubt den automatisierten, schnellen Umschlag von Ladegut zwischen Straße und Schiene. Bei voller Auslastung sollen auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Hengstey, der im Dezember 1979 aufgegeben wurde und wo sich nach dem Orkan Kyrill ein großes Nassholzlager befand, täglich hunderte von Lastwagen auf bereitstehende Züge verladen werden. Das geschieht mittels spezieller Waggonaufsätze, auf die der Lastwagen fährt. Der Anhänger wird sodann von der Zugmaschine abgekoppelt und seitlich auf den Waggon geschoben. Ein ganzer Zug kann so in einer knappen Viertelstunde mit Lastwagen be- oder entladen werden.

Allerdings kollidieren die Planungen des Leipziger Unternehmens mit städtischen Interessen. Das Südufer des Hengsteysees dient als Erholungs- und Freizeitraum, zahlreiche Hagener gehen dort täglich spazieren, joggen oder füttern die Wasservögel. Cargobeamer will seine Verladestation allerdings nicht direkt ans Seeufer bauen. Vielmehr soll sie auf einer Länge von 500 Metern zwischen den vorhandenen Sportlerheimen (Kanuclub, Behindertensportgemeinschaft) und den Tennisplätzen des Eisenbahnersportvereins liegen. Die nahe A1 macht den Lkw-Bahnhof jedenfalls für Speditionen ausgesprochen attraktiv, zumal Cargobeamer ein weit gespanntes Netz von Verladestationen zwischen Petersburg und Rotterdam bauen möchte.

Erschließungsstraße würde nah an den Hengsteysee rücken

Angefahren werden soll die Verladestation über einen Kreisverkehr vor dem großen Motorradparkplatz, der erhalten bliebe, aber verkleinert werden müsste. Vor allem an diesem Punkt reiben sich die Gegner des Vorhabens, denn die Erschließungsstraße würde hier nah an den See rücken. „Außerdem gibt es doch jetzt schon zu wenig Parkmöglichkeiten“, so Renate Brinkmann, Anwohnerin der Kabeler Straße. Politiker wie Klaus Daniels (FDP) favorisieren stattdessen eine neu zu bauende Rampe, die die Dortmunder Straße bereits hinter der Eisenbahnbrücke verlässt und zum Verladebahnhof führt: „Man kann den Cargobeamer bauen, aber nur mit dieser alternativen Zufahrt.“

Zunahme des Lkw-Verkehrs ist ein Dorn im Auge

Doch die Menschen in Boele, Hengstey und Bathey treiben auch weitere Gedanken um. Es würden doch sicherlich Gefahrgüter umgeschlagen würden, sorgte sich Erika Engel und verwies auf die dadurch entstehenden Risiken. In erster Linie ist den Menschen jedoch die Zunahme des Lkw-Verkehrs ein Dorn im Auge, zumal Hans-Dieter Schumacher vom städtischen Planungsamt darauf hinwies, dass der Verladebahnhof auch am Wochenende angefahren werden dürfe: „Das Sonntagsfahrverbot gilt in diesem Falle nicht.“ Andererseits hätten Berechnungen ergeben, dass die Belastung auf der Dortmunder Straße selbst mit geschätzten 800 zusätzlichen Lastwagen pro Tag nicht so hoch ausfallen würde wie etwa in der Hagener Innenstadt.

Hans-Georg Panzer (Grüne) fasste den Zwiespalt, in dem viele Politiker stecken, mit den Worten zusammen: „Die Öko-Bilanz des Projektes ist zweifellos positiv, aber wir werden zur Taxizentrale für alle Laster im Ruhrgebiet.“ Die Cargobeamer AG hat angeboten, die Anwohner auf einer Bürgerversammlung umfassend über ihre Absichten zu informieren.

 
 

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