Unterricht wie vor 40 Jahren

Techniklehrer Marcel Schulze und Schulleiter Frank Grabowski im veralteten Technikraum.
Techniklehrer Marcel Schulze und Schulleiter Frank Grabowski im veralteten Technikraum.
Foto: WP
  • Technikräume in Eilpe sind total veraltet
  • Moderner Unterricht nicht mehr möglich
  • Schulausschuss beschließt neue Ausstattung

Hagen-Eilpe.. Wer einmal einen Blick in die Technikräume der Gesamtschule Eilpe wirft, der fühlt sich tief ins vergangene Jahrhundert zurückversetzt. In die klobigen Holztische haben Generationen von Schülern Liebesbotschaften und Sprüche geritzt, auf den Sitzflächen der Hocker blättert die Oberfläche ab, ein Schrank wird von schweren Kalksandsteinen gestützt, damit er nicht zusammenbricht. „Nun ja, hier sieht es aus wie 1978“, gibt Schulleiter Frank Grabowski zu.

Damals gab es die Gesamtschule noch gar nicht. Aber es gab bereits die Holztische, die Hocker und den Schrank. Sie gehörten zum Inventar der Haupt- und der Realschule, die 1988 zusammengelegt und in die Gesamtschule umgewandelt wurden. Die Tische, die Hocker und der Schrank überstanden diese Metamorphose, bis zum heutigen Tag haben sie sich dem Fortschritt widersetzt. Das trifft auch auf die Werkzeuge und Maschinen zu, von denen viele veraltet sind oder fehlen. „Ein moderner Technikunterricht ist nur noch eingeschränkt möglich“, so Grabowski: „Und die Arbeit mit Metall und Kunststoffen, wie die Lehrpläne sie vorgeben, können wir gar nicht anbieten.“

Die marode Ausstattung der Räume hat den Schulausschuss zu einem Kraftakt veranlasst: Einstimmig beschlossen die Bildungspolitiker, dass die Technikräume der Schule für 150.000 Euro auf den neuesten Stand gebracht werden – angesichts des städtischen Haushaltslochs und der rigiden Sparpolitik eine bemerkenswerte Entscheidung. „Es besteht dringender Handlungsbedarf, sonst sind die Lehrpläne bald nicht mehr zu realisieren“, fasste Friedrich-Wilhelm Geiersbach (SPD) die Situation zusammen.

Nostalgischer Charme

Tatsächlich verbergen sich hinter dem nostalgischen Charme der vollgekrakelten Tische und des hinfälligen Schrankes sogar Sicherheitslücken. Die Vitrinen haben kein Sicherheitsglas, was den Vorschriften widerspricht. Es fehlt ein Depot für die Lötkolben, die die Schüler nach der Benutzung deshalb zum Abkühlen über eine Garderobe hängen. Dabei haben die hin- und herbaumelnden, heißen Kupferspitzen schon so manches Kabel versengt. „Und die Standbohrmaschine dürfen wir nicht mehr gebrauchen, weil sie nicht über eine Schutzklappe verfügt“, beschreibt Techniklehrer Marcel Schulze das Desaster, das er und seine fünf Kollegen mit Improvisationsvermögen wettmachen.

Tatsächlich ist es dem Engagement der Fachlehrer zu verdanken, dass Technik (früher: Werken) zu den Aushängeschildern der Schule zählt. „Ich bin Techniklehrer durch und durch“, beschreibt sich Schulze. Doch für einen zeitgemäßen Unterricht benötigten er und seine Kollegen endlich eine neue Ausstattung. Denn heutzutage gehe es nicht mehr darum, die Schüler Schrauben ziehen und Nägel einhämmern zu lassen, vielmehr spielten neue Medien, Robotertechnik, Metall- und Kunststoffverarbeitung eine bedeutende Rolle: „Wir unterrichten kompetenzorientiert, stellen den Schülern Aufgaben und sie müssen selbst herausfinden, mit welchen Werkzeugen und wie sie diese bewältigen.“ Schließlich sei an einer Gesamtschule die Vorbereitung für einen Ausbildungsberuf ebenso bedeutend wie der Weg zum Abitur.

Bis 2017 wird improvisiert

Mit dem Segen der Schulpolitiker sollen aus den alten Werk- nun neue Technikräume werden. Nicole Pfefferer (Grüne) gab zu bedenken, dass sich die Stadt angesichts des Sanierungsstaus in den Schulen auf weitere Anträge dieser Art vorbereiten solle. Ohnehin sind die Haushaltsmittel für dieses Jahr verplant, frühestens 2017 können Tische, Hocker, Schränke und Werkzeug in der Eilper Gesamtschule ersetzt werden. Bis es so weit ist, muss weiterhin improvisiert werden.

 
 

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