Unterkünfte des Landes schließen

Dass in Hagen Sporthallen wie diese in der Berghofstraße zugunsten der Flüchtlinge gesperrt werden, soll auch in Zukunft die Ausnahme bleiben. Vielmehr sollen für die Asylbewerber Wohnungen gefunden werden.
Dass in Hagen Sporthallen wie diese in der Berghofstraße zugunsten der Flüchtlinge gesperrt werden, soll auch in Zukunft die Ausnahme bleiben. Vielmehr sollen für die Asylbewerber Wohnungen gefunden werden.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Das Land schließt drei von vier Notunterkünften in Hagen
  • Die Einrichtung in Delstern wird auf 800 Personen aufgestockt
  • Ende 2016 werden etwa 5000 Flüchtlinge in der Stadt leben

Hagen.. Die Flüchtlingssituation in Hagen wird sich in den nächsten Monaten erheblich verändern. Die Arnsberger Bezirksregierung trennt sich schrittweise von den Notunterkünften des Landes. Damit erhöht sich entsprechend das Kontingent der kommunalen Flüchtlinge, für die letztlich die Stadt die Verantwortung trägt.

Konkret bedeutet dies, dass die Regenbogenschule in Hohenlimburg (200 Plätze) bereits zum 1. März geschlossen wird. Damit kann die Sporthalle wieder für den Schul- und Vereinssport freigegeben werden. Gleiches gilt für die ehemalige Wilhelm-Busch-Schule in Halden (250 Plätze), die als Landesunterkunft Anfang März planmäßig nicht mehr zur Verfügung steht. Die Notunterkunft am Spielbrink in Haspe (300 Plätze) läuft schließlich Ende August aus.

800 Plätze in Delstern bleiben

Parallel dazu wird die Einrichtung in Delstern (ehemals Könemann), in der bislang lediglich 450 Asylbewerber untergebracht sind, ab sofort auf 600 Plätze aufgestockt und bis zum März sogar auf 800 Menschen ausgeweitet. Die Laufzeit dieses Unterbringungsvertrages wurde in den Gesprächen mit der Bezirksregierung bis Ende 2017 verlängert. „Wir haben für die Stadt gut verhandelt“, zeigt sich Sozialdezernentin Margarita Kaufmann mit diesem Ergebnis zufrieden. „Unser oberstes Ziel bleibt es, Sporthallen und öffentliche Gebäude nicht belegen zu müssen.“

Aktuell sind gut 3000 Asylbewerber in Hagen unterwegs, pro Woche kommen etwa 80 bis 100 Menschen dazu. Bis zum Jahresende dürfte die Zahl der Hilfesuchenden, so die vorsichtige Schätzung des Hagener Flüchtlingsbeauftragten Klaus Gierke, auf etwa 5000 Flüchtlinge im Stadtgebiet steigen. Darin noch nicht eingerechnet sind jene Migranten, die über Familienzusammenführungen den Weg nach Hagen finden. So handelt es sich bei einem Drittel der an der Volme angekommenen Menschen aus der Krisengebieten um alleinreisende Syrer, von denen 2015 etwa 400 als Asylbewerber anerkannt wurden und somit ihre Familien nachholen dürfen.

Doch die Stadtverwaltung richtet ihren Fokus längst nicht mehr bloß auf die Unterbringung des Zustroms, sondern vor allem auch um integrative Maßnahmen vorzugsweise in Kitas und Schulen. „Wir kalkulieren bei der Kita-Planung heute mit 1200 Kindern mehr als noch vor einem Jahr“, beschreibt Reinhard Goldbach, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales, die Dynamik dieses Prozesses. Dabei handelt es sich zu 80 Prozent um Mädchen und Jungen aus Südosteuropa, die nicht etwa als Flüchtlinge, sondern im Rahmen der EU-Freizügigkeit ungesteuert nach Hagen strömen. „Diese Kinder bringen wir in unserem derzeitigen Kita-System nicht adäquat unter.“ Gleiches gilt für den Schulbereich: „Wir werden uns der Planung mit ganz neuen Zahlen zuwenden“, beschreibt Margarita Kaufmann die Herausforderung. Dabei will sie gar nicht ausschließen, dass die sich leerenden Notunterkünfte des Landes sich doch noch einmal in Schulen verwandeln könnten: „Am Spielbrink sind die Tafeln noch an den Wänden.“

OB Schulz setzt auf weitere Hilfen

Vor diesem Hintergrund bemüht sich die Stadt im Volumen von etwa vier Millionen Euro intensiv um Förderprogramme aus Bundes- und Landestöpfen, um baulich sowie durch Quartiersmanagement-Projekte vor allem in den Brennpunkten in Altenhagen, Wehringhausen und Haspe die Integrationsprozesse begleiten zu können.

Dabei weiß Oberbürgermeister Erik O. Schulz schon heute, dass diese Unterstützung kaum ausreichen dürfte: „Wenn das Land sich jetzt schrittweise zurückzieht und somit die Verantwortlichkeit für die Städte in diesen komplexen Flüchtlingsfragen kontinuierlich wächst, werden wir im Rahmen des Aktionsbündnisses ,Für die Würde unserer Städte’ deutlich machen müssen, dass der Bund für die entsprechende finanzielle Ausstattung zu sorgen hat.“

 
 

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