Umzug des Stadtmuseums durch höhere Archivmiete erkauft?

Das Stadtmuseum soll sich künftig im historischen Landgericht an der Hochstraße wiederfinden.
Das Stadtmuseum soll sich künftig im historischen Landgericht an der Hochstraße wiederfinden.
Foto: Martin von Hadel
  • Die Verlagerung des Stadtmuseums stockt
  • Konditionen des Nachfolge-Mietvertrages lassen aufhorchen
  • Politik will Kontrakt noch einmal prüfen

Hagen.. Ursprünglich sollte die Verlagerung des Stadtmuseums aus der Eilper Wippermann-Passage ins Erdgeschoss des historischen Landgerichts am Museumsquartier sich zum Sparmodell für den städtischen Kulturetat entwickeln. Doch seitdem konkrete Zahlen des Umzugsdeals auf dem Tisch der Politik liegen, kommen erhebliche Zweifel auf, ob die Verlagerung sich auf lange Sicht für die Stadt tatsächlich rechnet oder am Ende gar als Mogelpackung entpuppt. Für den entsprechenden Weckruf sorgte am Donnerstagabend Linken-Ratsherr Ingo Hentschel, als er in einer persönlichen Erklärung damit drohte, bei Zustandekommen des bislang angedachten Vertragswerks Anzeige zu erstatten und staatsanwaltliche Ermittlungen einzufädeln.

Mietvertrag erst 2018 kündbar

Hintergrund der politischen Aufgeregtheiten sind wieder einmal die permanenten Konsolidierungsbemühungen der Stadt. Die Verlagerung des Stadtmuseums in das historische Landgericht, das teilweise leer steht und der Stadt gehört, soll immerhin eine jährliche Ersparnis von 259.700 Euro erbringen. Allerdings ist der 1996 geschlossene Mietvertrag des Stadtmuseums (1402 qm) sowie des dort verbleibenden Stadtarchivs (885 qm) mit der Wilhelm Wippermann AG erst zum Februar 2018 kündbar. In den bisherigen Verhandlungen über die Modalitäten des frühzeitigen Vertragsablaufs konnte Kulturdezernent Thomas Huyeng jedoch wenig Entgegenkommen des Vermieters erwirken. Dieser macht angesichts einer Kaltmiete von 5,67 Euro/qm immerhin einen Mietausfall von 190.784 Euro geltend. Von diesem Betrag möchte er selbst dann nicht abrücken, wenn er vorzeitig einen Nachnutzer findet.

Streckung über 15 Jahre

Die Summe, so das Ergebnis der Gespräche, soll jetzt – garniert mit einem Zinssatz von 3,75 Prozent (ca. 7154 Euro) – über 15 Jahre auf die in Eilpe verbleibenden Räume des Stadtarchivs umgelegt werden. Im Klartext: Die Miete steigt dort quasi als Kompensation auf künftig 6,91 Euro/qm plus 1,82 Euro Nebenkosten. Zudem muss die Stadt dort eine Toilette einbauen, weil das mitgenutzte WC des Stadtmuseums künftig nicht mehr zur Verfügung steht.

Die vorgelegte Rechnung des Kulturdezernats ließ im Rat letztlich den Eindruck entstehen, dass der Spareffekt beim Stadtmuseum auf lange Sicht durch Mehrkosten fürs Stadtarchiv erkauft wird. Angesichts dieser Merkwürdigkeit hat die Mehrheit des Rates die Verlagerung des Stadtmuseums zum Museumsplatz zunächst gestoppt und will das Thema jetzt im bislang in der Beratungsfolge umschifften Haupt- und Finanzausschuss vertiefend klären.

 
 

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