Top-Dirigent hat für Jetlags keine Zeit

Ekhart Wycik hatte ein Engagement als Dirigent in Florida.
Ekhart Wycik hatte ein Engagement als Dirigent in Florida.
Der Hagener Ekhart Wycik ist als freischaffender Dirigent erfolgreich – nicht nur an deutschen Opernhäusern, sondern auch in Florida.

Hagen.. „Die Jobs fliegen einem nicht einfach zu. Man muss schon regelmäßig Kundenakquise betreiben. Und man braucht eine gute Agentur im Hintergrund.“ Ekhart Wycik ist auf dem Boden geblieben, hat für Höhenflüge gar keine Zeit, denn in den letzten Jahren läuft es für den Top-Dirigenten richtig gut. Seit fünf Jahren ist der Hagener als freischaffender Dirigent tätig. Und jettet seitdem durch die ganze Welt.

Rückblick: Ekhart Wycik macht am Albrecht-Dürer-Gymnasium sein Abitur, studiert an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf Dirigieren, Liedbegleitung, Musikwissenschaft und Philosophie. Er bekommt zahlreiche Engagements im In- und Ausland, macht sich als „Einspringer“ (er übernimmt Vertretungen) einen guten Namen in verschiedenen Orchestern in ganz Europa.

Von 2006 bis 2010 ist Ekhart Wycik als stellvertretender Generalmusikdirektor (GMD) und 1. Kapellmeister am Theater Dortmund beschäftigt. Nach seiner Zeit in Dortmund zieht es ihn mehr an den Rhein: Seit fünf Jahren unterrichtet er als Dozent an den Musikhochschulen Düsseldorf (Dirigieren) und Köln (Opernschule).

Und zwischendurch lockt immer wieder die große weite Welt, sprich Gast-Engagements stehen auf dem Programm. So dirigiert der heute 48-Jährige unter anderem Aida und La Traviata in den USA, Hänsel und Gretel in Bozen und Mozarts Zauberflöte in Korea und Glasgow. „Und 2011 wurde ich zu einer Gastprofessur an der Indiana University in Bloomington eingeladen.“

Themenwechsel: Wir blicken nach Florida. Ekhart Wycik ist erst vor ein paar Wochen aus dem „Sunshine State“ zurückgekehrt. „Ja, Florida, das war schon eine skurrile Sache“, erzählt der Weltenbummler mit Heimatliebe.

Anfrage per E-Mail

Wie es zu dem Engagement an der Sarasota-Opera in Florida gekommen ist? „Das Opernhaus hatte das Rimsky-Korsakow-Werk ,Der goldene Hahn’ auf seinen Spielplan gesetzt und suchte daraufhin einen Dirigenten, der Erfahrung mit dem Stück hat, da Regisseur und Sänger Debütanten in dieser Hinsicht waren.“ Die russische Oper wird selten aufgeführt; Ekhart Wycik hatte sie allerdings 2006 schon einmal in Dortmund dirigiert.

Und so per E-Mail die Anfrage erhalten, ob er nicht Lust und Zeit hätte, für drei Monate in Florida zu arbeiten. „Im Januar flog ich also runter, wurde in einem kleinen Appartement in Sarasota untergebracht und lernte die 12 Gesangssolisten, 40 Chorsänger und 60 Orchestermusiker kennen. An meinem zweiten Tag fand schon gleich die erste Orchesterprobe statt – für einen Jetlag hatte ich also gar keine Zeit.“ Wie er die Arbeit im ewig sonnigen Urlaubsparadies empfand?

„Es waren spannende Wochen. Man muss nicht nur gut englisch sprechen, sondern auch die Gepflogenheiten der Amerikaner kennen“, erzählt der 48-Jährige. Die Opernhäuser in den USA finanzieren sich durch Fundraising und Spenden, „der Spruch ,Time is money’ hat dort eine viel größere Bedeutung als bei uns in Deutschland. In Amerika wird noch effizienter und genauer auf den Punkt gearbeitet“. Wycik: „Wenn bei einer Probe nur eine Minute überzogen wird, rückt gleich die Gewerkschaft an.“

Oper Fidelio im Winter 2016

Ein Orchester sei wie ein Kollektiv, ein regelrecht verschworenes Team, „da muss man als Neuling den richtigen Nerv treffen“. In Sarasota stimmte alles – Orchestermusiker, Regisseur und Dirigent Wycik sprachen die gleiche musikalische Sprache. „Nur zwei Wochen nach meiner Ankunft in Florida haben mich die Verantwortlichen des Opernhauses schon für 2016 eingeladen“, erzählt der Hagener nicht ohne Stolz. „Von Januar bis März kommenden Jahres bin ich wieder Bestandteil des Sarasota-Winterfestivals und dirigiere die Beethoven-Oper Fidelio.“

Doch auch die Monate bis zum erneuten Florida-Trip sind längst verplant. In Kürze dirigiert Ekhart Wycik als „Einspringer“ in Rostock, im Sommer dirigiert er zwei Gala-Konzerte in Riga und unterrichtet dort eine Master­class für Opernsänger. Und zwischendurch macht er Tai Chi, Bogenschießen und läuft Halbmarathon. Wycik lacht. „Ja, oft stundenlanges Dirigieren erfordert körperliche Fitness. Auch wenn der Taktstock aus Kork und handgedrechseltem Holz nur ein paar Gramm wiegt.“

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