Teures Ringen um Ruhegelder eines Bankers in Hagen

Frank Walter, Vorstandsvorsitzender der Hagener Sparkasse, hofft auf seine Vertragsverlängerung. Doch die Altersversorgung des Spitzenbankers löst eine erneute politische Debatte über die Gehälter der städtischen Führungskräfte aus.
Frank Walter, Vorstandsvorsitzender der Hagener Sparkasse, hofft auf seine Vertragsverlängerung. Doch die Altersversorgung des Spitzenbankers löst eine erneute politische Debatte über die Gehälter der städtischen Führungskräfte aus.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die noch im März anstehende Vertragsverlängerung für Sparkassen-Chef Frank Walter hat in der Politik eine neue Debatte über kommunale Manager-Gehälter ausgelöst. Denn der Spitzenverdiener im Konzern Stadt Hagen sorgt sich um seine adäquate Altersversorgung.

Hagen.. Der Vorstandsvorsitzende des größten Hagener Bankhauses, der alljährlich gut 440.000 Euro auf seinem Gehaltskonto verbuchen darf, wird nämlich mit einer Privatversicherung für seine Rentenjahre abgesichert. Und in dieser Branche sprudelten die Zinsquellen zuletzt bekanntlich eher übersichtlich. Mit der Konsequenz, dass Walters Jahresbezüge jetzt um 13 Prozent (etwa 57.000 Euro) erhöht werden müssten, um das vertraglich fest zugesicherte Niveau aller Musterdienstverträge der Sparkassen-Branche zu erzielen. „Nur so wird sichergestellt, dass ich im Alter nicht schlechter gestellt bin als meine Vorstandskollegen“, erläutert der 51-Jährige, der seit 2010 den Vorstandsvorsitz inne hat, seinen Vorstoß. Andernfalls würde er ab dem Jahr 2028 um etwa 3000 Euro monatlich zurückfallen.

Rainer Kurth und Klaus Oberliesen kommen zwar mit etwa 120.000 Euro weniger Jahressalär aus, dürfen sich nach ihrem Berufsleben dafür aber auf eine stattliche Pension aus den Töpfen der Sparkasse freuen. Walter erhält stattdessen zu seinem Grundgehalt von gut 320.000 Euro noch zusätzlich erfolgsabhängige Leistungszulagen sowie etwa 103.000 Euro „Sonstige Vergütungen“. Der Löwenanteil in Höhe von gut 90.000 Euro wird automatisch in seine persönliche Altersversorgung abgeführt. Im Gegenzug verschwindet er mit seinem letzten Arbeitstag von sämtlichen Gehaltslisten der Hagener Sparkasse.

Weltweite Niedrigzinsphase

Doch wie jeder Kleinsparer, der vom mühsam Erarbeiteten ein paar Euro fürs Alter abzweigt, musste auch der oberste Sparkässler zuletzt konstatieren, dass angesichts der weltweit anhaltenden Niedrigzinsphase die Produkte der Lebensversicherer längst nicht mehr so viel abwerfen wie es die Hochglanz-Werbeangebote der Branche vor Jahren noch versprachen. Selbst im eigenen Hause – es handelt sich um Produkte der Provinzial-Versicherung – scheint ein absoluter Profi wie Walter keine krisensichere Anlageform mehr entdecken zu können, die ihm eine Verzinsung seiner stattlichen Renten-Rücklagen jenseits der Fünf-Prozent-Marke garantiert.

Stimmen zum Bankerruhegeld Aber genau diese Sprünge sind seinen Vorstandskollegen Kurth und Oberliesen in punkto Altersvorsorge bei jeder Verlängerung ihrer Vorstandsverträge um jeweils fünf Jahre sicher. Und so hat der Sparkassen-Chef anlässlich der aktuell anstehenden Verhandlungen rund um die Verlängerung seines 2015 auslaufenden Vertrages gegenüber dem Verwaltungsrat anhand einer Musterrechnung signalisiert, dass seine Altersversorgung neu geregelt werden sollte. Denn angesichts der Kürze der Laufzeit müsste ein neuer Versicherungsvertrag, der das Delta zu seinen Vorstandskollegen füllen könnte, mit 57.000 Euro jährlich gefüttert werden. „Da stellt sich die Frage, ob dies angesichts der Kürze der Laufzeit noch wirtschaftlich sinnvoll ist“, regt Walter an, auch in seinem Fall auf die Pensionsregelung seiner Vorstandskollegen zurückzuschwenken. Das sei um ein Viertel günstiger.

Thema im Verwaltungsrat

Als der Banker seinerzeit zum Vorstandsmitglied gekürt wurde, sollte die individuelle Altersversorgung der Sparkassen-Spitzenkräfte landesweit zur Regel werden. Doch in der Praxis blieb die Variante Walter letztlich ein einsames Pilotmodell.

Heute wird sich der Verwaltungsrat der Sparkasse erneut mit den Konditionen von Walters fachlich durchaus gewollter Vertragsverlängerung beschäftigen. Dabei dürfte ein Vorstoß der Hagener FDP die Diskussion zusätzlich anfeuern. Die Liberalen hatten am vergangenen Wochenende bei ihrer programmatischen Klausurtagung unter dem Motto „Endlich ehrlich sparen“ beschlossen, den Vertrag mit Walter nur dann verlängern zu wollen, wenn dieser angesichts der desolaten Haushaltslage in Hagen auf 15 Prozent seiner Bezüge verzichte. „Es passt einfach nicht in die Zeit, wenn Vorstände von städtischen Töchtern angesichts der Finanzlage der Mutter nicht auch einmal Abstriche machen“, erinnert FDP-Fraktionschef Claus Thielmann daran, dass die Enervie-Spitze in schweren Zeiten ebenfalls Verzicht übe.

 
 

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