Teure Symbolik

Bei Lichte betrachtet, ist das vorliegende Sparpaket ein symbolischer Akt. Selbst mit den angepeilten 90 Millionen Euro, die insgesamt an allen Ecken und Enden abgeknapst werden sollen, bekommen wir kein Oberwasser mehr. Allein die Zinslast hält uns dauerhaft unten - vor allem, wenn’s wirtschaftlich nach oben geht und die Zinsen steigen.

Ein gewisses Maß an Sparen zu akzeptieren, heißt: Verantwortung zu zeigen. In dem Zusammenhang stellt sich die Frage, wo die Beiträge der Entscheidungsträger in dieser Stadt zum Sparen zu finden ist? Oberbürgermeister Jörg Dehm setzt doch auf Ehrenamt, das die Infrastruktur in Teilen erhalten möge. Wird er sich auch regelmäßig zwei Stunden in der Woche in die Stadtteilbüchereien setzen, um Bildung für Kinder und Jugendliche garantiert zugänglich zu machen? Bei der nächsten Bürgerversammlung in Haspe muss er sich diese Frage eventuell stellen lassen.

Überhaupt, die Bürgerversammlungen sollten keine Alibiveranstaltung sein. Wenn sich niemand ablehnend zu Wort meldet, sind alle dafür? Nicht anzunehmen. Aber nicht jeder traut sich verständlicherweise aus der Deckung, wenn um ihn herum Verwaltungsfachleute und Politprofis sitzen.

Nicht verwunderlich also, wenn sich Bürgerinnen und Bürger an dem abarbeiten, was auf dem Tisch liegt. Da steckt ausreichend Diskussionspotenzial in den Sparvorschlägen, keine Frage. Aber sie lenken den Blick auch weg von anderen Dingen. Nämlich von denen, die noch realisiert werden sollen - oder hat schon mal jemand die Zustimmung zur millionenschweren Bahnhofshinterfahrung abgefragt?

Selbst wenn Bürger mit eigenen Idee dazu um die Ecke kämen: Realistisch klingt das nicht, die bis zum Ratsentscheid über das Sparpaket Mitte Dezember durch Verwaltung, Ausschüsse und Bezirksvertretungen zu bugsieren.

Anja Wetter

 
 

EURE FAVORITEN