Tempo-30-Schild umgedreht - Fahrer fühlen sich zu Unrecht geblitzt

Mike Fiebig
Wer zu schnell fährt, den bestraft die Blitze. Vorausgesetzt, die Schilder sind richtig angebracht.
Wer zu schnell fährt, den bestraft die Blitze. Vorausgesetzt, die Schilder sind richtig angebracht.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die fest installierte Radarfalle an der Becheltestraße sorgt für Aufregung im Hagener Ordnungsamt. Der Auslösungmechanismus wurde an das baustellenbedingte Tempo-Limit von 30 km/h angeglichen. Unbekannte hatten die Tempo-30-Schilder Montag widerrechtlich umgedreht. Jetzt fühlen sich viele Pkw-Fahrer zu Unrecht geblitzt.

Hagen-Eckesey. Die fest installierte Radarfalle an der Becheltestraße sorgt aktuell für Aufregung im Hagener Ordnungsamt. Parallel zu den Instandsetzungsarbeiten an der viel befahrenen Bundesstraße haben die Ordnungshüter den Auslösungsmechanismus der Anlage an das baustellenbedingte Tempo-Limit von 30 km/h angeglichen. Nachdem Unbekannte die Begrenzungsschilder am Montag widerrechtlich umgedreht hatten, fühlen sich viele Autofahrer zu Unrecht geblitzt. Die Stadt will sich kulant zeigen.

Am Montagvormittag begannen die Drähte in der Polizeiwache an der Hoheleye zu glühen. Wütende Autofahrer protestierten dagegen zu Unrecht von der Blitzkiste erwischt worden zu sein.

Von einer Tempo-Begrenzung wollten die meisten nichts gewusst haben. Andere Fahrer bemerkten lediglich umgedrehte Verkehrsschilder. Die Polizei ging der Sache nach, informierte das Ordnungsamt, das für den Betrieb der Anlage verantwortlich zeichnet, und um etwa 14.40 Uhr waren alle drei umgedrehten Schilder wieder gut sichtbar.

Vier Stunden Dauerbelichtung

Dazwischen vergingen mehr als vier Stunden, in denen der Blitzer vor lauter Geschwindigkeitsüberschreitungen quasi auf Dauerbelichtung schaltete. Für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes hieß das in den vergangenen zwei Tagen: Jede Menge Anrufe, jede Menge Ärger.

Die Blitzanlage an der Becheltestraße erwies sich seit ihrer Installation als wahre Goldgrube für die Stadt. 178 Fahrer tappen hier durchschnittlich am Tag in die Falle. In den ersten 100 Tagen hatte die Radarfalle bereits 440 000 Euro eingeblitzt. In den vergangen Tagen dürfte die Zahl weitaus höher gewesen sein. Dazu schweigt die Behörde.

Hoffen auf Kulanz

Für die rund vier Stunden, in denen die Schilder am Montag scheinbar nicht sichtbar positioniert waren, lässt Ordnungsamt-Mitarbeiter Hans Sporkert die Kritik gelten: „Wer aber angesichts unserer Nachbesserungen jetzt immer noch geblitzt wird, der fährt ganz einfach zu schnell.“

VerkehrEs sei legitim die Anlage angesichts der Baumaßnahme an die Geschwindigkeitsbegrenzung anzugleichen. Genauso wie es legitim sei an gleicher Stelle auch mit einem mobilen Blitzer zu arbeiten. „Wir werden allerdings kulant sein“, sagt Sporkert. Soll heißen: Nicht jeder geblitzte Fahrer muss automatisch damit rechnen, auch einen Anhörungsbogen zu erhalten, also eine Ordnungswidrigkeit begangen zu haben.

Der Hagener Anwalt Holm Feyerabend bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Behörde berechtigt sei, den Blitz-Impuls an das vorübergehende Tempo-Limit (30 km/h) anzugleichen und dass es zudem keine „Gleichbehandlung im Unrecht gebe.“ Nicht jeder Geblitzte in den vergangenen Tagen kann also - ohne Beweise - auf die Kulanz der Ordnungsbehörde hoffen. Holm Feyerabend: „Wichtig ist, wann genau die Schilder umgedreht waren. Außerdem braucht man natürlich Zeugen, um das zu beweisen.“