Surreal-traumhafte Faust-Inszenierung im Theater Hagen

Am Samstag wird „Faust“ im Hagener Theater aufgeführt. Die Premiere startet um 19.30 Uhr.
Am Samstag wird „Faust“ im Hagener Theater aufgeführt. Die Premiere startet um 19.30 Uhr.
Foto: Michael Kleinrensing
Das Hagener Theater zeigt „Faust“ als Oper. Die Premiere findet am Samstag statt.

Hagen-Mitte.. Den großen „Faust“ als Oper? Gesungen in französischer Sprache? Und das soll Publikum ziehen? Und ob. Denn die Fassung von Charles Gounod gilt als eine der berühmtesten Faust-Opern überhaupt. Ein Grund für das Hagener Theater, die dramatische Oper mit surreal-traumhaftem Touch auf die Bühne zu bringen. Die Premiere des knapp dreieinhalbstündigen Werkes findet am Samstag, 17. Januar, um 19.30 Uhr statt.

„Der Gounod-Faust unterscheidet sich deutlich von Goethes ­Klassiker“, unterstreicht Holger ­Potocki. Der Regisseur mit Wohnsitz in Berlin, der erstmals fürs Hagener Haus inszeniert, verspricht jedoch in gleichem Atemzug: „Aber der Komponist Gounod verplattet den Faust des Dichters Goethe nicht, sondern setzt andere Akzente.“ Konkret: Die Suche nach Weisheit und Wissen rückt im Opern-Stoff in den Hintergrund. Gounod richtet seinen Fokus auf die letzten Lebensstunden eines alten Mannes. Auf sein unbändiges Verlangen, noch einmal eine Frau zu verführen und pralles Leben zu spüren.

Den Part des verzweifelten Greisen Faust besetzt der in Melbourne geborene Paul O’Neill. Der Tenor mit irischen Wurzeln hat schon auf bedeutenden internationalen Bühnen gesungen.

Handlung setzt später ein als bei Goethe

Das Hagener Opern-Publikum trifft natürlich auch auf vertraute (Faust)-Figuren: Mephistopheles wird in der Premiere von Rainer Zaun verkörpert, in späteren Aufführungen auch von Rolf A. Scheider besetzt. Veronika Haller spielt den Part des Gretchens (Marguerite), Paul Jadach verkörpert ­Wagner.

Allerdings setzt die Handlung später ein als bei Goethe; die Oper konzentriert sich auf Verführung, Verrat, Verlassen und auf die Befreiung aus dem Kerker. Die Zuschauer werden im Laufe des dichten Abends in die traumhaften Fieberfantasien Fausts hineingezogen. „Und auf die Gäste warten große Choreinsätze und ein traumschönes Liebes-Duett zwischen Faust und Marguerite“, verspricht Dorothee Hannappel. Die Dramaturgin betont, dass Marguerite in der Gounod-Oper nicht eine Opfer-Rolle besetze, sondern den Part einer starken Frauenpersönlichkeit.

Fremd anmutende Ästhetik

Die 1859 in Paris uraufgeführte Oper konzentriert sich in lyrischer Einfachheit auf menschliche Gefühle und gilt damit als poetische Oper par excellence.

Für Bühne und Kostüme zeichnet Lena Brexendorff verantwortlich; sie stellt Fausts Krankenzimmer mit Krankenbett als regelrechte Keimzelle dar. Eine mit drei Metern Höhe überdimensionierte Madonna weckt beim Betrachter düstere Beklemmung. Vieles wirkt verzückt, überhöht, surreal – eine fremd anmutende Ästhetik. Psychodelic-artige Video-Elemente schaffen einen zusätzlichen optischen Reiz.

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