Stoff zum Aufarbeiten

Der fragile CDU-Burgfrieden der vergangenen beiden Jahre wird brüchig. Die Gegenkandidatur von Jörg Klepper macht offenkundig, dass sich Parteichef Christoph Purps der innerparteilichen Gefolgschaft nach den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit keineswegs uneingeschränkt sicher sein kann.

Während der jüngsten Bundes- und Kommunal-Wahlkämpfe wurden die weiterhin bestehenden Unionsgräben elegant zugekleistert und aus Gründen der Parteiräson diszipliniert weggeschwiegen. Doch hinter vorgehaltenen Händen ist die Unzufriedenheit mit der Ära Dehm und dessen begrenzte Leidenschaft für Hagener nie völlig verstummt. Auch für die Personalie Cemile Giousouf, die als Frau und Migrantin den Weg eines Hageners in den Bundestag auf lange Zeit blockiert, gibt es keineswegs pure Zustimmung. Und dass die CDU Hagen kommunalpolitisch nun ausgerechnet auch noch einen Ex-Genossen im Oberbürgermeister-Amt mitträgt, bleibt weiterhin arg gewöhnungsbedürftig.

Zudem muss der Union dringend ein Generationswechsel gelingen. Bei der Kommunalwahl für die ersten drei Listenplätze Kandidaten aufzubieten, die 63, 66 und 72 Jahre alt sind, klingt nicht gerade nach Aufbruch. Das Sextett in der ersten Reihe der Ratsfraktion bringt es im Altersschnitt auf 63 Jahre – am Ende dieser Legislaturperiode also fast auf 70. Damit lässt sich kaum die politische Jugend hervorlocken. Zumal die Junge Union rund um den von der Ratsfraktion bis zur Meinungsunkenntlichkeit assimilierten Vorsitzenden Lars Vogeler zuletzt völlig verstummt ist.

Hinzu kommt, dass viele Mitglieder die zunehmende Dominanz und Ämterdichte des Ehepaars Purps innerhalb der CDU nur mit der Faust in der Tasche erdulden. Er agiert als Parteichef sowie im lukrativen Enervie-Aufsichtsrat, sie sitzt im Rat, in der Bezirksvertretung Mitte und im nicht minder lohnenswerten Sparkassen-Verwaltungsrat. Eine sicherlich eher kleinkarierte Betrachtungsweise, die aber durch das ambitionierte und manchmal etwas verkopft daherkommende Purps’sche Zukunftskonzept „Hagen 2030/2.0“ kaum weggewischt werden kann. Für reichlich Debattenstoff bei diesem samstäglichen Personalparteitag ist also gesorgt.

 
 

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