Stiller Rückzugsort für Trauernde

Neuer Abschiedsraum im Krematorium: Architektin Jutta Heinze und Pastor Jürgen Schmitt-Aßmann
Neuer Abschiedsraum im Krematorium: Architektin Jutta Heinze und Pastor Jürgen Schmitt-Aßmann
Foto: WP
  • Abschiedsraum im Krematorium neugestaltet
  • Trauernde können nun an den Sarg treten
  • Architektin betont beruhigende Atmosphäre

Delstern.. Wer vor der Bestattung im Krematorium noch eine stille Zeit mit einem verstorbenen Angehörigen verbringen wollte, der musste sich den Flur, von dem aus ein Fenster einen Blick auf den Sarg erlaubte, womöglich mit anderen Trauernden teilen. Dadurch strahlte der Raum Kälte aus, Privatheit und Ruhe konnten angesichts dieser Umstände schwerlich aufkommen. „Dabei erwarten viele Trauernde einen direkten Zugang zum Sarg“, berichtet Martin Kümper, Fachleiter für Friedhofswesen beim Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH).

Eine kontemplative Atmosphäre schaffen

Diesem Wunsch hat der WBH jetzt Rechnung getragen und einen der Abschiedsräume zeitgemäß und angemessen neugestaltet. Die Duisburger Architektin Jutta Heinze hat sich dabei zu Herzen genommen, dass ein Abschiedsraum zunächst ein Ort sein muss, in dessen Schutz ein erster Schritt der Trauerbewältigung stattfinden kann: „Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt. Der Raum muss dem Menschen Respekt erweisen, in diesem Fall dem Lebenden und dem Verstorbenen.“

Es galt, eine Atmosphäre zu schaffen, die kontemplativ, jedoch nicht spektakulär ist, die subtil die Sinne berührt, ohne rührselig zu wirken, die nichts im Verborgenen lässt, aber auch nicht alles öffentlich macht. Gerade in den Momenten der Trauer seien die emotionale Anspannung und die Empfindsamkeit besonders groß, so die Architektin, die eine Trennwand entfernen ließ, die Fensteröffnungen umgestaltete und den Zugang zum Raum so anlegte, dass der Blick nicht unvermittelt auf den Sarg fällt. Verschiebbare Lamellen aus weiß geölter Esche lassen diffuses Tages- und Sonnenlicht einfallen, in eine Nische auf dem Flur ist eine gepolsterte Sitzbank integriert. „Ein Rückzugsort, der ein wenig Privatheit schafft, die es vorher in diesem Flur nicht gab“, so Jutta Heinze.

Blumen und Bilder

Der Sarg steht seitlich, ein warmes, sanftes Licht erzeugt eine besinnliche Stimmung. Auf einem Wandbord können persönliche Gegenstände, Blumen und Bilder aufgestellt oder ein Kondolenzbuch ausgelegt werden. Der Raum ist groß genug, um ihn auch für eine kleine Trauerfeier zu nutzen. „Es war Zeit, den Abschiedsraum an unsere Zeit anzupassen“, so WBH-Chef Hans-Joachim Bihs.

Der Trauernde mag nicht jedes Detail des neuen Raumes wahrnehmen – die Intensität seiner Gedanken am Sarg wird durch die Umgebung ganz sicher beeinflusst.

 

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