Steuergesetz obliegt nicht Kirchen

Kirchenaustritte. Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen und möchte mich für Ihre faire Berichterstattung bedanken. Es wäre aber schön und hilfreich gewesen, wenn Sie noch einige Anmerkungen zum Thema „Kapitalertragssteuer“ zugefügt hätten.

Die Besteuerung von Erträgen aus Kapitalvermögen ist ja keine Erfindung der Kirchen und auch nichts Neues. Sobald ein Anleger seine persönlichen Freibeträge für Kapitaleinkünfte überschreitet – und erst dann – greift die momentan geltende Abgeltungssteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. auch Kirchensteuer (sofern eine steuerpflichtige Konfessionszugehörigkeit vorliegt).

Das heißt aber auch gleichzeitig: Nicht jeder Sparer/Anleger muss automatisch Kirchensteuern auf seine Erträge entrichten. Denjenigen, der zum Beispiel aus der Kirche ausgetreten ist, betrifft dieses Thema überhaupt nicht!


Einzig der Wahlmodus für den Steuerpflichtigen ist nunmehr entfallen bzw. hat sich geändert. Man kann nicht mehr selbst darüber entscheiden, ob man seine Einkünfte bereits an der Quelle auch mit eventuellen Kirchensteuern belegt bekommt oder die Erträge erst bei der persönlichen Einkommenssteuererklärung deklariert.

Der Steuerpflichtige hat aber das Recht, dem von den Banken durchzuführenden Konfessionsabgleich zu widersprechen und wäre somit wieder selber zur Deklaration seiner Einkünfte aus Kapitalvermögen verpflichtet.

Die Gestaltung von Steuergesetzen obliegt jedenfalls nicht den christlichen Kirchen, sondern dem Gesetzgeber, der einer unbewussten oder auch bewussten Steuerhinterziehung von Kirchensteuern bei abgeltungssteuerpflichtigen Personen entgegenwirken will.


Meines Erachtens werden diese Fakten zu wenig kommuniziert, und das kann ich mit Gewissheit sagen, da ich bei einer Bank als Kundenberater beschäftigt bin.

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