Steinerne Schätze unterm Hammer

Michael Schuh
Geologin Antje Selter, Museumspädagoge Holger Flick und Austauschschülerin Domenica Zaldua (v. li.) sammeln im Hohenlimburger Steinbruch Fossilien und Mineralien, um sie im Wasserschloss Werdringen zu zeigen.
Geologin Antje Selter, Museumspädagoge Holger Flick und Austauschschülerin Domenica Zaldua (v. li.) sammeln im Hohenlimburger Steinbruch Fossilien und Mineralien, um sie im Wasserschloss Werdringen zu zeigen.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg.  Ein Millimeter Wachstum pro Jahr klingt nach einer lächerlichen Winzigkeit. Wenn diese Zunahme allerdings über Jahrmillionen erfolgt, kommt dabei am Ende ein ansehnlicher Koloss heraus. In diesem Falle ein Gebirge, das durchaus die Höhe der Alpen besaß – und einst auch die Region um Hohenlimburg bestimmte. Angesichts solcher Größenordnungen nimmt sich die Wagenladung Steine, die gestern die Diplom-Geologin Antje Selter und der Museumspädagoge Holger Flick im Hohenlimburger Steinbruch sammelten, dann doch eher bescheiden aus.

Die Schätze aus dem Erdzeitalter Devon werden bei der Mineralien- und Fossilienbörse im Wasserschloss Werdringen am kommenden Sonntag von 11 bis 17 Uhr nicht nur gezeigt, sondern auch kaputt geschlagen. Obwohl es sich zunächst nicht so anhört, besitzt diese Zerstörung tatsächlich einen pädagogischen Wert: Im Innern der Brocken entdecken die mit Hammer und Schutzbrille bewaffneten Kinder nämlich fossile Schätze: Korallen, Muscheln, Schnecken oder Seelilien.

Mit Great Barrier Reef vergleichbar

Rund 370 Millionen Jahre ist es her, dass diese Urzeit-Lebewesen ein Riff inmitten eines Meeres bevölkerten, das jährlich um besagten Millimeter wuchs. „Man kann das durchaus mit dem Great Barrier Reef vergleichen“, erläutert Dr. Christian Lange, Geschäftsführer der Hohenlimburger Kalkwerke. Während das Riff vor Australien aber immer noch lebt, versteinerte das Hohenlimburger Gegenstück im Laufe der Zeit – und mit ihm seine vielfältigen Bewohner.

Vor etwa 280 Millionen Jahren kam es schließlich zu einer Faltung, bei der auf dem heutigen Hohenlimburger Gebiet tatsächlich ein Hochgebirge entstand. Wobei Antje Selter bei der Zeitangabe lächelnd ein wenig Spielraum lässt: „Ein paar Millionen Jahre mehr oder weniger spielen in der Geologie oft keine allzu große Rolle.“

Hochgebirge abgetragen

Warum anstelle von gewaltigen Massiven heute aber nur noch Hügel wie der Schlossberg Hohenlimburg prägen, kann die Geologin ebenfalls sehr anschaulich erklären: „Wenn über Millionen von Jahren außer Regen, Sonnenschein und Eiszeiten nichts passiert, dann ist auch ein Hochgebirge irgendwann weg.“

Die Versteinerung des Riffs besitzt für den Nachwuchs einen besonderen Reiz, denn das Freilegen der im Gestein verborgenen Fossilien sorgt regelmäßig für glänzende Kinderaugen.

Und das dafür auch noch gehämmert werden muss, finden vor allem die Jungs umso besser. Dass sich zudem wunderschöne Mineralien in den Steinbrocken finden lassen, hat es hingegen besonders den Mädchen angetan. Und da spielt es auch keine Rolle, dass die glitzernden Schätze aus Hohenlimburg keinen finanziellen, sondern ausschließlich einen ideellen Wert für die Kinder besitzen.